2009-10-29

Die Zwischenräume

Von unkultur @ 08:42 [ Musik ]
Das gestrige jazznojazz-Konzert des Brad Mehldau Trio hat mir wieder mal eindrücklich gezeigt, dass bei gutem Jazz nicht die Töne das Entscheidende sind, sondern das Ausgeklammerte, die Zwischenräume, so wie in einem guten Roman die Begriffe, um die es geht, nie genannt werden, oder, um ein prosaischeres Beispiel zu nennen, bei einem Scherenschnitt die Stücke, die herausgeschnitten wurden und durch ihre Abwesenheit hervorstechen, das Werk ausmachen.

Dieses Prinzip geht noch viel weiter; die Musik der Mitglieder des Trios schwebte auch über der Bühne, wenn die Instrumente schwiegen, etwa wenn der Kontrabass nach einem gewaltigen Solo verstummt war und jetzt, während Piano und Schlagzeug mit einer meisterhaften Munterkeit vor sich hinplätscherten, die Fata Morgana seiner Tongebilde weiterhin klar vor dem atemlosen Publikum stand.

Fast schmerzhaft waren die spannungsgefüllten Zwischenräume, wenn die Musiker jeweils Atem schöpften und zu einem neuen Stück ansetzten.


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