2009-10-24

Der Kadazz ist nur unter Kadazz kadazz

Von unkultur @ 09:55 [ Kadazz ]
Nehmen wir mal an: Zwei Kadazz machen sich ein bisschen hübsch und gehen in die Quartierbeiz auf einen Drink oder zwei.

Dieser harmlos wirkende Satz ist in Wirklichkeit vermintes Gelände. Darin enthaltene Wörter wie „Quartierbeiz“ sind zwar absolut Kadazz-konform, das Wort „hübsch“ hingegen steht weit oben auf der berühmt-berüchtigten Liste der Dinge, die ein Kadazz verachten muss, in Gesellschaft von Monstrositäten wie „chic“, „nett“, „aufgestellt“ oder „rassig“.

Die beiden Kadazz wissen das natürlich, und im Prinzip sind stimmen sie dem Verdikt der Liste zu. Bloss, heute hatten sie aus unerklärlichen Gründen trotzdem Lust, sich etwas hübsch zu machen; sie haben sich Mut angetrunken und haben nun sogar die Unverfrorenheit, eine sehr kadazze Quartierbeiz zu betreten. Sie hegen die Hoffnung, sie würden vielleicht nicht als Kadazz erkannt; man würde sie für verirrte Landeier halten.

Wie töricht! Auf der Stelle werden sie erkannt. Irritierte Blicke empfangen sie, eisige Verachtung schlägt ihnen entgegen. Die Kadazz hinter der Bar beendet demonstrativ ein halbstündiges Telefongespräch, bevor sie geruht, die zwei zu bedienen. Die männlichen Kadazz rücken demonstrativ von den beiden Verräterinnen weg, um zu verdeutlichen, dass sie sich ganz bestimmt nicht von den vier hübschen Knien dort drüben beeindrucken lassen.

Nun gut, die beiden Kadazz tun ihr Bestes, um sich trotzdem zu amüsieren. Endlich, nach einigen Stunden, taucht eine Gruppe männlicher zigeunerhafter Wesen in der Quartierbeiz auf. Und weil zigeunerhafte Wesen zwar sehr wohl Kadazz-konform sind, die Kadazz-Regeln aber selbst nicht kennen, setzen sie sich demonstrativ in die Nähe der beiden Abtrünnigen und tun ihr Interesse ziemlich unverhohlen kund.

Endlich nähert sich einer aus der Gruppe – der mit den wilden kohleschwarzen Augen – einer der beiden Kadazz, setzt sich auf ihre Sofalehne und setzt zum Sprechen an.

Die Kadazz denkt: Jetzt wird er mit heiserer Stimme und schwerem Akzent etwas richtig Verruchtes, Unsittliches, Abenteuerliches sagen, sodass alle anwesenden Kadazz erröten, ohne die geflüsterten Worte überhaupt gehört zu haben. Die Welt wird für ein paar Sekunden stillstehen, während wir beide in diese Szene aus „The Man Who Cried“ versetzt werden; Johnny Depp und Christina Ricci am Lagerfeuer verkörpern.

Der Mann sagt: „Hesch mer es Visitechärtli?“

Plötzlich sind die beiden Kadazz sehr müde und nüchtern. Es ist Zeit, das Experiment abzubrechen und nach Hause zu gehen.


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