2007-06-16

Fortsetzung: Die Beziehung zwischen dem Kulturmanager und dem Künstler

Von unkultur @ 18:02 [ Kluturbanause ]
Hier nun die versprochene, nahtlose Fortsetzung des Eintrags vom 5. April.

Der Künstler – und ich spreche hier nicht vom vermeintlichen Prototyp des Künstlers, sondern von dem Künstler, der sich gemäss einem von ihm selbst unterstützten Klischee verhält – tut nun genau dies, was seiner Meinung nach die Gesellschaft von ihm, dem ach so unverstandenen, kapriziösen und hypersensiblen Wesen erwartet. Er verweigert sich. Dies jedoch nicht etwa offen, sondern durch undurchschaubare, spontane Aktionen, die ihm sein labiler Charakter mit Hilfe von reichlich Alkohol eingibt (um das Klischee weiter zu bedienen). So unerträglich ist für ihn die Vorstellung, sich irgendeiner organisierten Struktur unterzuordnen.

Hiermit schlägt er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, dass nämlich der Kulturmanager erstens wütend wird und zweitens ein Machtwort spricht. Letzteres zementiert die Rolle des Künstlers als missbrauchte, unterdrückte Kreatur. Die Situation wäre perfekt, wenn nun der Kulturmanager seine Wut auch in der Öffentlichkeit zeigen würde – leider verweigert er ihm dieses Vergnügen. So muss der Künstler gute Miene zum bösen Spiel machen und sich letztendlich doch am „Zirkus“ beteiligen, den er selbstverständlich durch infantile und zusammenhangslose Äusserungen nach Kräften zu untergraben sucht.

Da er aber dadurch auch sich selbst untergräbt – und letzten Endes will er nicht nur irritieren, sondern auch verkaufen und vor allem gefallen – hält sich seine Subversivität in Grenzen. Alle Beteiligten sind letzten Endes leicht irritiert und einigermassen zufrieden.

Rat an alle Beteiligten: Kulturmanager sollten sich nach Möglichkeit an diejenigen Künstler halten, die nicht sich selbst und allen anderen durch klischeegesteuertes Verhalten das Leben schwer machen. Nein, wir mögen keine Erzieher sein. Künstler sollten sich auf ihre Kunst konzentrieren. Und das Publikum soll je nach Lust und Laune entscheiden, mit welchen Künstlern es sich auseinandersetzen möchte.


(Die abschliessende Anmerkung in Klammern von der ersten Folge gilt nach wie vor.)


> Artikel im Blog "Kulturmanagement", der sich auf diesen Eintrag bezieht


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