2007-02-20

Ode an den Strichpunkt (mit erotischem Unterton)

Von unkultur @ 17:38 [ Literatur/Sprache ]
Ich mag sie nicht, die Erotik STRICHPUNKT nein, die Erotik mag ich nicht.“ Das ist ein Zitat von einem der mitreissendsten Schweizer Poetry Slammer – Ato Meiler, dem ich es nebenbei nie verzeihen werde, dass er seine Haarpracht geopfert hat (zu diesem Exkurs hat mich wohl Betas heutiger Beitrag im alphablog inspiriert).

Beim Poetry Slam geht es ums gesprochene WortSTRICHPUNKT doch auch beim gesprochenen Wort ist manchmal ein Satzzeichen ganz deutlich herauszuhören. Wie dieser wunderschön gesetzte Strichpunkt in der ersten Zeile von Atos Werk. Es könnte auch ein Gedankenstrich seinSTRICHPUNKT allerdings wäre dann die Pause etwas länger, und Ato könnte nicht mehr so atemlos sprechen. Und weil er dieses Slam-Stück eben atemlos vortragen muss – ich hoffe, er stimmt mir da zu – gibt sich die kaum wahrnehmbare Zäsur klar als Strichpunkt zu erkennen.

Es gibt die Strichpunkt-Liebhaber, die ihn etwas zu häufig einsetzen. Ich oute mich als eine von ihnen. Aber: Es gibt einige wenige Zeitgenossen, die unsere deutsche Sprache richtig beherrschen. Wenn er aus ihrer Feder (oder Tastatur) fliesst, ist der Strichpunkt ein Meisterstück an Eleganz und Zurückhaltung, ein vollkommen unprätentiöses und stilsicheres Instrument zur Strukturierung von vollendeten Sätzen, das jedem einigermassen einfühlsamen Menschen ehrfurchtsvolle Bewunderungsschauer über den Rücken jagen muss (wie dies Atos Auftritte tun). Mehr möchte ich dazu nicht sagenSTRICHPUNKT jedes weitere Wort wäre überflüssig.


Kommentare

ato meiler - ato.meiler [at] gmx.ch
2007-07-26 16:21:54

gerührt habe ich diese zeilen gelesen. gruss ato meiler

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