2008-12-14

Wenn die Weihnachtszeit so weitergeht, ist sie gar nicht so übel

Von unkultur @ 18:22 [ Literatur/Sprache ]
Heute mehrere Stunden wühlend verbracht – an einem
kleinen privaten Flohmarkt mit alten und neuen Büchern.
Ein paar Bücher gekauft. Das Glanzstück meiner Beute
aber geschenkt bekommen, 3 KG schwer, wenn man meiner Personenwaage glauben will:
The Complete Book of Covers from the New Yorker,
1925-1989
“, mit einem Vorwort von John Updike.

Damit werde ich die Weihnachtstage unbeschadet
überstehen!

2008-06-10

Exotisches in Berlin: Gebratener Pudding

Von unkultur @ 19:43 [ Literatur/Sprache ]
unkultur lässt sich heute von Blogwiese inspirieren, das täglich Sprachunterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland aufdeckt:

Berlin vorgestern Abend, 33 Grad im Schatten. Wir haben in einem Gartenrestaurant soeben vorzügliches, asiatisch inspiriertes Essen genossen; jetzt geht es zum Dessert, das tatsächlich auch hier Dessert heisst. Der Kellner empfiehlt „gebratenen Pudding“. unkultur blickt ratlos: „Was ist denn gebratener Pudding? Etwa eine Art Crème brûlée?“. Der Kellner verneint indigniert: „Gebratener Pudding eben!“.

Vor unkulturs innerem Auge nimmt ein Engländer einen Pudding und schmeisst ihn in die Bratpfanne. Neugierig bestellt sie die exotische Speise. Sie entpuppt sich als Crema catalana, die einfach himmlisch schmeckt. Mut wird eben belohnt!


P.S. Die Deutschen stossen eine Tür nicht auf, sie drücken sie auf. Jedenfalls suggerieren das in öffentlichen Gebäuden die Schilder, die uns signalisieren, in welche Richtung wir die Tür öffnen sollen. Ziemlich brachial!

2008-04-24

Die Unentwegten

Von unkultur @ 00:36 [ Literatur/Sprache ]
Kollege Beta fasste es treffend zusammen: „Ziemlich wässrig“ war die gestrige Bookparade. Dabei wurde noch von trügerisch strahlendem Wetter belohnt, wer bereits am Nachmittag zur Gemüsebrücke spazierte. Dort konnte man beispielsweise ein schräges modernes Schneewittchen-Theaterstück mitverfolgen, vorgetragen von Tania Kummer und Lea Gottheil, passend gebettet unter Daunendecken und Baldachin.

Simon Chen und Lara Stoll taten alles, um uns zu motivieren, und sie waren wie immer brillant. Trotzdem: Nach dem Umzug waren leider einige der Teilnehmenden – darunter unkultur – so erbärmlich durchnässt, dass sie schweren Herzens auf den Rest der Veranstaltung verzichten und stattdessen schlotternd in die Badewanne kriechen mussten. Was man nicht alles tut für DAS BUCH!

2008-04-06

Angestrengt unangestrengt

Von unkultur @ 16:07 [ Literatur/Sprache ]
unkulturs Unwort des Tages: unangestrengt.

Schon seit einiger Zeit geistert das Wort „unaufgeregt“ durch die Medienlandschaft. .ch erhob Anspruch darauf und versinkt inzwischen in der unaufgeregten Nichtssagendheit.

Der Cousin von „unaufgeregt“, „unangestrengt“, wird in letzter Zeit auch gerne in Texte eingestreut. In Michèle Rotens ansonsten amüsanter Fotoreportage zum Langstrassen-Stil bemüht sie das Wort gleich zweimal; einmal wünscht eine der Portraitierten selbst, unangestrengt zu wirken. Was für eine Anstrengung, das Unangestrengt-Wirken!

2008-03-29

Eindrücke leben weiter als Wörter und Wortkreationen

Von unkultur @ 17:24 [ Literatur/Sprache ]
unkultur war kaum je zu Hause, um die Erlebnisse der letzten Zeit zu dokumentieren – nur ein paar Wörter bzw. Wortkreationen haben sich in ihrem Kopf festgesetzt.

Das Verb gnomen. Sollte ich es patentieren lassen? Es fiel mir spontan zu während eines Konzerts, bei dem einer der Musiker – klein und bartbewehrt – im Zentrum der Bühne ständig vornübergebeugt an verschiedenen Instrumenten und Lauterzeugungsobjekten herumhantierte und sich dabei ununterbrochen im Rhythmus der Musik hin- und herwiegte. Ein schlaues Lächeln schien auf seinem Gesicht zu liegen. Er gnomte während des ganzen Konzertes herum, auf und ab, vor sich hin.

Effortless“ kam mir in den Sinn an einem Konzert, das ich ansonsten eher langweilig fand. „Effortless“ war hingegen die Stimme der Sängerin, und das meine ich als Kompliment. Ich musste danach lange nach dem deutschen Wort suchen. „unangestrengt“? Klingt allerdings leicht verkrampft, das Wort…

2008-03-21

Was ist bloss in Hanif Kureishi gefahren?

Von unkultur @ 13:59 [ Literatur/Sprache ]
„The Black Album“, ein meisterhafter Roman: Schon dort hat Hanif Kureishi seine Figuren sehr extrem, z.T. überzeichnet dargestellt, aber trotzdem glaubwürdig.

Von seinem neusten Roman „Something to tell you“ bin ich aber masslos enttäuscht: Die Gestalten in dem Buch verkommen zu einer Freakshow, weil er sich nur noch darauf konzentriert, sie möglichst grell darzustellen. Die psychologischen und gesellschaftlichen Beobachtungen, die immer noch da sind, haben dadurch an Sorgfalt und Schärfe verloren. Hanif Kureishi scheint nur noch auf eine peinliche Weise seine Nachfolgerin Zadie Smith nachzuahmen, die ihn in jeder Hinsicht längst überflügelt hat. So wird er sie nicht mehr einholen.

Zu meinem negativen Urteil trägt wohl die Tatsache bei, dass ich das Leseexemplar in der deutschen Übersetzung erhielt („Das sag ich dir“) und es dann in dieser Sprache las, obwohl ich englische Bücher sonst in der Originalsprache lese. Leider ist die Übersetzung unglaublich schlecht. Schade, dass ich mir keine Beispiele notiert habe, aber da wurden Anfängerfehler gemacht…

Nachdem ich mir überlegt hatte, das Buch wegzulegen, las ich es trotzdem zu Ende. Es war unterhaltsam, mehr nicht.

Darüber hinwegtrösten wird mich wahrscheinlich Siri Hustvedt. Nach den ersten 30 Seiten ihres neuen Romans „The Sorrows of an American“ freue ich mich aufs Weiterlesen. Auch hier geht es um einen Psychiater (bei Kureishi ist es ein Psychoanalist), der sich nach einer langjährigen Beziehung von einer Frau getrennt hat, sich mit dieser neuen Situation und mit seiner Herkunft auseinandersetzt. Aber wie viel differenzierter und abgründiger geht sie das Thema an! Ich bin gespannt, ob sie an das grandiose „What I Loved“ anknüpfen kann.

2008-03-17

Haruki in Lissabon oder Die wilde Entschlossenheit, einen Bestseller zu machen

Von unkultur @ 12:54 [ Literatur/Sprache ]
Lissabon ist die Stadt der vielen antiquarischen Buchhandlungen. In Lissabon lässt sich in kommerziellen Buchhandlungen aber auch der unbedingte Wille erkennen, einen Bestseller zu machen – mit mehreren mannshohen „Stelen“, die niemand übersehen kann:



Diese Werbung findet sich übrigens in mehreren Buchhandlungen, die zu unterschiedlichen Ketten gehören. Die Konkurrenz inspiriert in diesem Fall nicht zu Kreativität; im Gegenteil. Ich frage mich, ob diese aufdringliche Werbung nicht kontraproduktiv wirkt und vielen Leuten die Lust, Haruki Murakamis Buch zu kaufen, vergällt.


> unkultur über Haruki Murakami

2008-01-31

(Schimpf)Wort des Tages: Cüpli-Kulturpolitiker

Von unkultur @ 20:42 [ Literatur/Sprache ]
Man beachte den holprig-eleganten Rhythmus des Wortes, das nach einigen Hebungen und Senkungen gleichsam auf den Horizont zuschlendert.


(Aus aktuellem Anlass. Inspiriert durch ebendiesen NZZ-Artikel bzw. diesen Abschnitt daraus:

Die AL warf dem Stadtrat vor, nur jene Kultur für unterstützungs-
würdig zu halten, die mit «Cüpli» umrahmt, gut etabliert oder zumindest brav daherkommt.
Artikel von Gordana Mijuk, 31. Januar 2008, Neue Zürcher Zeitung, „Die Kultur und das liebe Geld“ )

2008-01-01

Lebenszeit investieren? (Achtung: Häufung von Fragezeichen)

Von unkultur @ 21:47 [ Literatur/Sprache ]
Heute im Online-Tagi mit Erstaunen gelesen: „Investieren Sie Lebenszeit!“. Geschrieben hat das Barbara Schweizerhof; investieren sollen wir in einen 16-stündigen Kinomarathon mit Rainer Werner Fassbinders Berlin Alexanderplatz. Werde ich nicht tun, aber darum geht es hier nicht. Sondern mich interessiert die Frage, was genau gemeint ist mit „Lebenszeit investieren“.

Was ist der Unterschied zwischen „Zeit investieren“ und „Lebenszeit investieren“? Handelt es sich erst ab einer bestimmten (hohen) Anzahl von Stunden um „Lebenszeit“? Oder ist Lebenszeit ganz besondere Qualitätszeit, die sich abhebt von normaler, gedankenlos gelebter Zeit? Meint „Lebenszeit“ etwa "Zeit, die sonst zum Leben verwendet würde"? Ist Arbeitszeit keine Lebenszeit?

Dann soll man diese Lebenszeit „investieren“. Investitionsgüter gelten ja als Wertgegenstand – offensichtlich handelt es sich also um eine ganz besondere und wertvolle Art von Zeit. Ein Investitionsentscheid ist heikel, strategisch wichtig und muss gut abgewogen werden – aber wie oft wägen wir tatsächlich sorgfältig ab, bevor wir viele Stunden unseres Lebens in etwas investieren? Wie oft sind wir überhaupt in der Lage, den Wert der Investition abzuschätzen, beispielsweise bei einer geplanten Weiterbildung?

Der Rollmops, das Miau-Zeichen, der Wurm, der Klammeraffe

Von unkultur @ 12:52 [ Literatur/Sprache ]
Ich habe hier schon eine Ode an den Strichpunkt geschrieben und die mehrfachen Frage- und Ausrufezeichen beklagt. So darf es niemanden verwundern, dass der erste unkultur-Beitrag des neuen Jahrs dem Zeichen @ gewidmet ist. Wir alle setzen es täglich ein, und niemand fragt sich, woher das Zeichen eigentlich stammt. Wir haben das Gefühl, es sei ein modernes Zeichen, dabei ist sein Gebrauch bis aufs Spätmittelalter zurückzuführen.


Quelle: pixelio.de

Ursprünglich sollte dies ein Beitrag über den Missbrauch des @ werden, denn ich war überzeugt, dass es dem englischen „at“ entspricht, und dass demzufolge unser täglicher Einsatz des Zeichens in Online-Foren, wenn wir einen Beitrag an eine bestimmte Person richten, falsch ist (es sollte ja „to“ heissen und nicht „at“). Nun habe ich aber erfahren, dass es möglicherweise dem lateinischen „ad“ entspringt, wodurch der Gebrauch wieder gerechtfertigt wäre. Das @ war früher eine Gewichtseinheit, was es in einigen Ländern noch heute ist.

Wie auch immer, man ist sich nicht einig. Daher können wir das @ getrost weiterhin kreativ einsetzen.

Nachlesen kann man das beispielsweise auf dieser Website von Michael Quinion (ich liebe auch die "Weird Words"). Hier gibt es zudem einige Beispiele, wie das @ in verschiedenen Ländern genannt wird – vom Rollmops über das Miau-Zeichen oder den Elefanten bis zum Wurm ist alles vertreten, natürlich jeweils in der Sprache des Landes. Lebendige, aktive Sprache! Ich lege die Lektüre über die Benennung des Zeichens @ in den verschiedenen Sprachen all denjenigen ans Herz, die den Niedergang oder die Verwässerung unserer Sprache durch die Aufnahme von zu vielen ausländischen Elementen prophezeien.

Posts  1 - 10 /39