2008-09-22

Könnte mal jemand Abstimmungscouverts erfinden...

Von unkultur @ 12:44 [ Kulturpolitik ]
...die sich ohne die Anwendung von zwei Pinzetten und sehr viel Fingerspitzengefühl öffnen lassen? Halt, zuwenig weit gedacht: Wann können wir endlich online abstimmen?

Und jetzt folgt ein Aufruf an diejenigen unkultur-Leser, die in Zürich stimmberechtigt sind: Heute noch das Couvert „uufchnüble“, beim Cabaret Voltaire ein fettes „Ja“ hinschreiben und die ganze Bagage in den Briefkasten werfen! (Was alle anderen Vorlagen betrifft, da ist unkultur kein Profi, da haltet Ihr Euch besser an „Votez pour vous“.)



P.S. Ich gehe allerdings davon aus, dass mein Aufruf unnötig ist, weil die unkultur-Community sowieso richtig abstimmt!

> Mehr zum Thema bei unkultur

2008-04-24

Dem Individuum den Wert von Kunst und Kultur ins Bewusstsein bringen

Von unkultur @ 22:58 [ Kulturpolitik ]
Ich möchte hier eine interessante Diskussion wieder aufgreifen, die Christian Henner-Fehr auf seinem Kulturmanagement-Blog vor zwei Wochen ins Leben rief. Er beschrieb die Entwicklung, dass Kunst- und Kultureinrichtungen in den letzten Jahren immer stärker nach unternehmerischen Modellen stromlinienförmig und markttauglich gemacht wurden. Dieses System habe aber versagt. Nun sei klar, dass Kunst und Kultur nicht einfach zur Ware getrimmt werden können. Sie seien viel eher eine Gabe an die Gesellschaft, die diese schätzen und mit einem Gegengeschenk entlöhnen sollte. Die Frage: Wie kann man erreichen, dass die Gesellschaft das versteht?

In der Folge diskutierten wir, dass Kunst/Kultur heute wie eine natürliche Ressource für selbstverständlich genommen würde. Im Umweltschutz gäbe es Kampagnen – weshalb nicht auch für Kunst/Kultur? Prominente und glaubwürdige Menschen müssten sich dafür einsetzen. Nur: Viele von diesen sind zwar Kulturliebhaber, schätzen aber gerade das Private, etwas Elitäre daran.

Ich warnte davor, die „Kunst-Konsumenten“ einfach als schlecht abzustempeln und die Kunst/Kultur in einen allzu scharfen Gegensatz um „Konsumismus“ zu setzen. Christian Henner-Fehr war einverstanden und ergänzte, dass man den Leuten auch nicht vorschreiben dürfe, wie sie Kunst/Kultur einstufen sollten; wieviel sie ihnen bedeute. Jeder müsse das für sich selbst erkennen.

Wie verhilft man zu schnellerer Erkenntnis?

Ich möchte aber nicht ein halbes Jahrhundert warten, bis die Menschen erkennen, was Kunst/Kultur für sie bedeutet. Wie könnte man nachhelfen? Ich fange mal an mit dem Brainstormen:

Denkanstösse geben. An kulturellen Orten/Anlässen einfache, aber auffällige Fragen platzieren (Plakat? Persönliches Gespräch? Kurze Ansprache vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung? Aufdruck auf Eintrittskarte?).

Fragen:
- Wieviel bezahlen Sie für ein Abendessen in einem Restaurant?
- Wieviel Parkgebühr werden Sie heute Abend bezahlen?
- Bzw. was kostete Ihr SBB-Billett von St. Gallen nach Zürich?
- Wieviel geben Sie heute aus für Kultur?
- Vergleichen Sie die Preise. Ist Ihnen die Kultur weniger wert als das Abendessen? Die Parkgebühr? Das SBB-Billett?

Oder:
- Wissen Sie, ob die kulturelle Einrichtung, die Sie gerade besuchen, subventioniert ist?
- Wenn ja, was denken Sie, verdient ein Kulturschaffender, der Vollzeit arbeitet, pro Monat?
- Wenn nein, was denken Sie, verdient ein Kulturschaffender, der Vollzeit arbeitet, pro Monat? (Finden Sie es hier heraus: www.kulturwert.ch)
- Finden Sie, dass auch Kunst, die nicht subventioniert ist, wichtig ist?

Oder:
- Wenn Sie wählen müssten: Nie wieder ein Konzert besuchen oder nie wieder Unterhaltungssendungen im Fernsehen schauen?
- Wenn Sie wählen müssten: Nie wieder einen Roman lesen oder nie wieder in einem Restaurant essen gehen?
- Wenn Sie wählen müssten: Nie wieder eine Kunstausstellung besuchen oder nie wieder zu einer Zirkusaufführung gehen?
- Wenn Sie wählen müssten: Nie wieder im RiffRaff einen Film schauen oder nie wieder mit Kreditkarte bezahlen?

Ich bin gespannt auf weitere Ideen!


> Der konträre zu meinem Grosskampagnen-Ansatz: Die Grassroots-Methode (Kulturmanagement-Blog)

2008-04-10

Kultur-Fördergelder: Die Transparenz schlägt über die Stränge

Von unkultur @ 22:22 [ Kulturpolitik ]
Ivan Katz auf Huffington Post informiert uns, dass kulturelle Organisationen, die beim „British Arts Council“ Fördergelder beantragen, neuerdings die Zusammensetzung ihres Vorstands nach sexueller Orientierung aufschlüsseln müssen.

Der Autor fasst es wunderbar zusammen: "this is political correctness gone mad". Unterhaltsam wäre es allerdings schon, wenn die „Aufschlüsselungspflicht“ auch für Firmen und ihre Verwaltungsräte gelten würde.

2007-11-08

Verschiedene Blickwinkel - wirklich?

Von unkultur @ 16:21 [ Kulturpolitik ]
Gut, dass heute Abend im Cabaret Voltaire eine Podiumsdiskussion zum hochaktuellen Thema "Was soll, was darf subventionierte Kultur?" stattfindet. Kulturpolitische Diskussionen sollten an kulturpolitischen Schauplätzen geführt werden. Und je häufiger sie geführt werden, desto besser.

Aber wer ist offenbar Träger/Sponsor(?)/Durchführender dieser Veranstaltung? Die SP der Stadt Zürich. Das ist auf der Website des Cabaret Voltaire nicht ersichtlich; auf dem Einladungsflyer aber umso klarer. Schade, dass dem Thema Kulturförderung wie so oft der Stempel der SP aufgedrückt werden muss. Es handelt sich hier um Fragen, die quer durch die Parteienlandschaft alle etwas angeht. Schade auch, dass der Meinungshintergrund der Podiumsteilnehmenden relativ homogen zu sein scheint. Aber da kann ich mich täuschen. Nur werde ich heute Abend vermutlich nicht dabeisein, um mich eines anderen überzeugen zu lassen Inkonsequent, ich weiss.

Schade zum Dritten: dass alle Teilnehmenden Männer sind.

2007-11-05

Der bloggende Kulturminister

Von unkultur @ 22:40 [ Kulturpolitik ]
Der alternative Kulturminister, Dominik Riedo, bloggt jetzt auch. Ich begrüsse das sehr! Da der Internet-Auftritt des Kulturministeriums bisher hauptsächlich durch Sparsamkeit glänzte, sehe ich den neuen Blog als Zeichen dafür, dass in der Ära Riedo eine Änderung angestrebt wird.

Konstanz hat der Kulturminister seit Inbetriebnahme des Blogs bewiesen. Erfolg und viele Besucher könnte der Blog dann haben, wenn er etwas von seinem Tagebuch-Charakter opfert – auch wenn es kurzweilig ist zu lesen, wen er jeweils getroffen hat – und dafür mehr politische Statements in seine Blog-Einträge einbaut. Wir wollen Stellungnahmen, Ziele, Meinungsäusserungen, etwas Polemik!

Eine politische Person darf, nein, sollte öffentlich ihre Meinung kundtun*. Das hilft bei der Profilbildung. Wir möchten zum Beispiel gern wissen, welche Bemerkung von Martin Walser „über einen bestimmten Bundesrat“ dem Kulturminister so missfiel. Und was er Martin Walser entgegnete. Die Aussage des Schriftstellers war ja wohl eine öffentliche – weshalb nicht in einem offenen Brief im Blog antworten? Solche Einträge sind der Motor, der den Kreislauf Aufmerksamkeit - Besprechungen - Verlinkungen - mehr Aufmerksamkeit etc. in Bewegung setzt.

Mehr Aufmerksamkeit ist genau das, was ein solcher Blog in einem ersten Schritt generieren möchte (hoffe ich doch). Ist dieses Ziel erreicht, kann der Blog erst zu einer wirksamen Plattform werden. Über diese Plattform können Ideen in Umlauf gebracht, Positionen dargestellt, Denkanstösse gegeben, sogar Vertrauen geschaffen oder Initiativen ausgelöst werden. Um diesen Idealfall zu erreichen, braucht es natürlich viel Arbeit.

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*Dies tut der Kulturminister ja bereits in der Offline-Welt, was natürlich auch sehr wichtig ist.



> Das Tagebuch des Kulturministers
> Mehr zum Thema von unkultur

2007-10-24

Von Leuchttürmen und Glühwürmchen

Von unkultur @ 21:42 [ Kulturpolitik ]
Manchmal frage ich mich, ob die Kulturförderung der Stadt Zürich wirklich Kultur fördert, oder ob sie hauptsächlich ihre Leuchttürme pflegt. Deren Leuchten könnte ja weniger intensiv wirken, wenn die filigranen Glühwürmchen, kühnen Feuerwerks-Querschläger und Neonlicht-Kunstwerke in ihrer Umgebung an Strahlkraft zulegen würden. Nichts gegen Schwerpunkte, aber neben ihrem Vorteil, der Fokussierung, muss man auch ihren Nachteil, die Schwerfälligkeit, beachten.



Das Sponsoring durch Unternehmen hat zugenommen; das wird auch im neuen Kulturleitbild betont. Gerade grossen, international ausgerichteten Firmen liegt viel an den Leuchttürmen als Garant für die Standortattraktivität. Naheliegend wäre es doch, diesen finanzkräftigen Selbstvermarktungs-Giganten einen bedeutend grösseren Anteil an den für sie attraktiven Leuchttürmen zu überlassen und dafür den Strahl der öffentlichen Förderung stärker auf kleinere Projekte zu richten.

Diese tragen gemäss Kulturleitbild ebensoviel zur Attraktivität von Zürich bei wie die Leuchttürme, sind aber im jetzigen Entwicklungsstadium für potente Sponsoren aus der Privatwirtschaft noch nicht augenfällig genug. Vielleicht sollte es auch nicht ihr Ziel sein, das zu werden.

Solche kleinen Kulturprojekte reichen oft auch ins Feld der Kreativwirtschaft hinein. Im internationalen Standortwettbewerb bedeutet die Kreativwirtschaft für Zürich: Imagefaktor, Standortfaktor, Impulsgeber, Innovationsmotor, Wirtschaftsfaktor. Dies wurde durch diverse Studien untermauert*. Hier befinden wir uns im Bereich der kleinen kommerziellen Anbieter, die, so scheint es, wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen können. Doch auch sie brauchen eine günstige Umgebung, sollen sie weiter als Standortvorteil zur Verfügung stehen, mit dem man sich brüsten kann.

Für die Kreativwirtschaft wie auch für die Kultur gilt: Die Faktoren der Standortattraktivität sind keine Ressource, die man beliebig ausbeuten kann – Nachhaltigkeit ist gefragt.

Zurück zur Kultur: „Quartierkultur“ wird zwar gefördert; das ist ein Zugeständnis ans Soziokulturelle. Aber wenn ein gefördertes Kulturprojekt zu stark ins Subkulturelle abdriftet, wird es suspekt. Da kommen plötzlich unberechenbare, unbezifferbare und mit einer Leistungsvereinbarung unvereinbare Elemente ins Spiel.

Dabei hat sich gerade in Zürich immer wieder gezeigt, wie die ersten Impulse zu einer wichtigen kulturellen Strömung aus einer Subkultur kamen. Dass reine Subkultur nicht gefördert wird, ist klar: Sonst wäre sie keine Subkultur mehr. Aber wo und wann wird die Subkultur zur Kultur? Dies vorauszusehen, erfordert Fingerspitzengefühl und Weitsichtigkeit. Auf Entwicklungstendenzen auch einzugehen, erfordert Mut.

Dass diese Eigenschaften vorhanden sind oder waren, beweisen verschiedene Förderprojekte in der Vergangenheit. Aber noch heute weist man Institutionen, die sich schon längst etabliert haben, als "neu", "experimentell" oder "subkulturell" aus. Die Beschäftigung mit den guten alten Leuchttürmen ist halt am sichersten und gemütlichsten.



Einige Fragen:

Wird künftig jedes Jahr der „Musterschüler“ unter den Kulturinstitutionen ermittelt, errechnet aus dem höchsten Durchschnitt aller qualitativen und quantitativen Messgrössen einer Institution? (Die qualitativen Grössen lassen sich wenn nötig auch in Zahlen übersetzen).

Wie viele Ressourcen/Arbeitsstunden werden benötigt, um all diese Erhebungen zu machen und die Zahlen auszuwerten?

Werden sich einzelne Institutionen und die Stadt in Zukunft via Medien Schlachten liefern, zu denen ihnen die Zahlen und dazugehörigen Interpretationen die Munition liefern?

Sollte in einem Jahr ein Projekt der Sparte „Diverses“, gemessen an allen qualitativen und quantitativen Kriterien, eine grössere Leistung erbringen als die Tonhalle – welche Konsequenzen hätte das für dieses Projekt? Welche Konsequenzen hätte das für die Tonhalle?


> Zwei Beiträge im Kulturblog (beide vom 24. Oktober)


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* u.a. „Kreativwirtschaft Zürich“, Studie I und II sowie Synthesebericht, diverse Autoren, Verlag des Museums für Gestaltung Zürich, 2005. „Zürich Themenwelt“, Weissbuch, arthesia, Hrsg: GZA AG, Zürich Tourismus, Diverse Autoren, 2003.

2007-10-07

Der Glassammelcontainer hat einen Vogel

Von unkultur @ 00:52 [ Kulturpolitik ]
Glassammelcontainer ist ein ausnehmend schönes Wort; fast so schön wie „Erdungsgarnitur“. Dank der Initiativgruppe für das Kunsthaus Aussersihl darf ich das Wort endlich in meinen Blog aufnehmen. Heute organisierte die Gruppe nämlich einen aussergewöhnlichen Kunstrundgang durch den Kreis 4. Plötzlich fühlte man sich wie ein Tourist im eigenen Quartier, und wie ein Tourist staunte man: In Nebengassen, Hinterhöfen und Unterführungen gibt es beispielsweise einen ganzjährig aktiven Fassadenkletterweihnachtsmann, eine gewollte oder ungewollte Installation aus Einkaufswagen, spezielle Graffiti-Übermalungstechniken und diverse Soundinstallationen mit Vogelgezwitscher zu bewundern.



Eine dieser zwitschernden Installationen befand sich in dem erwähnten Glassammelcontainer, und so kam es, dass eine Gruppe von ca. 50 Leuten um eine Gruppe von Glassammelcontainer herumstand und eine Frau, die gerade mehrere Flaschen in einen Glassammelcontainer geworfen hatte, frenetisch beklatschte. Und jetzt fällt mir kein Vorwand mehr ein, um das Wort Glassammelcontainer nochmals zu verwenden.

Mobilisieren oder selbstbeweihräuchern

Welche Absicht steckte hinter dieser Aktion, die nur lose mit der Idee des Kunsthauses Aussersihl zusammenhängt? Nun, nach der Führung bot sich die Gelegenheit, mit den Mitgliedern der Initiativgruppe zu diskutieren. Vor allem aber setzen solche Anlässe Zeichen: Die Idee des Kunsthauses Aussersihl lebt. Vorerst hauptsächlich in den Köpfen, aber nicht bloss als Hirngespinst – sie kann Menschen mobilisieren.

Der nächste Schritt wäre jetzt, dass auch Menschen mobilisiert werden, die nicht sowieso schon zum „Fanclub“ gehören. Die vielleicht aus reiner Neugierde mal an eine Veranstaltung gehen. Sonst passiert dasselbe, was ich bei „Creative Zurich Wednesdays“ beobachtet habe: Die Veranstaltungen dienen irgendwann nur noch der Selbstbeweihräucherung.

Nebst dem üblichen Offline-Networking würde es sicher nichts schaden, wenn die Initianten ihre Idee auf Web 2.0-Plattformen vertreten würden. (Vielleicht tun sie das ja, und es ist mir noch nicht aufgefallen.) Übrigens: Das Problem mit ihrer Website tritt leider immer noch auf. Etwas peinlich…

2007-09-26

Weshalb Kulturlobbying von Kulturmanagern und nicht von Kulturschaffenden betrieben werden sollte

Von unkultur @ 15:19 [ Kulturpolitik ]
An dieser Stelle habe ich vor einigen Wochen die Frage gestellt, weshalb die Tätigkeit eines Kulturschaffenden unvereinbar mit derjenigen eines Politikers sein sollte. Mein Schluss damals: Die beiden Tätigkeiten wären theoretisch vereinbar, wie auch viele andere Berufe mit einer politischen Tätigkeit vereinbar sind. Inzwischen bin ich allerdings zur Einsicht gelangt, dass es besser wäre, wenn das Kulturlobbying Personen mit der Einstellung eines Kulturmanagers überlassen würde*. Weshalb?

Kulturschaffende, die sich ans Lobbying wagen, tun dies leider oft mit der Einstellung: „Die Politiker haben keinen Sinn für Kunst und Kultur; wir müssen ihnen beibringen, was Kunst und Kultur bedeuten, damit sie lernen, in unseren Massstäben zu denken.“ – Falsch! Versucht ein Bauer, der Politik macht, etwa die anderen Politiker dazu zu bewegen, wie er zu denken? Versucht das ein Lehrer?

Nein, das tun sie beide nicht. Wenn sie erfolgreich sein wollen, versuchen sie die Überzeugung zu verbreiten, dass ihre Branchen für unser Land in wirtschaftlicher und/oder gesellschaftlicher Hinsicht von grosser Bedeutung sind. Dabei ist es von Vorteil, wenn sie nicht verächtlich auf ihre Politikerkollegen herunterschauen, weil diese von der jeweiligen Materie weniger verstehen.

Leider ist dieses Hinabblicken – diese Verachtung für Menschen mit weniger Sinn für Kunst und Kultur – unter Kulturschaffenden gang und gäbe. Kulturschaffende, die Politik machen wollen, grenzen sich von „den Politikern“ ab, statt zu Politikern zu werden. Eine Sozialarbeiterin, ein Angestellter eines Reisebüros, ein Klempner oder eine Ärztin darf gerne nebenbei Politiker sein, aber ein Kulturschaffender? Das wäre doch unter seiner Würde.

Da in naher Zukunft keine Änderung dieser Einstellung absehbar ist, wäre es für die Anliegen der Kunst und Kultur besser, wenn sich Kulturmanager um das Politisieren und Lobbyieren kümmern würden. Ein guter Kulturmanager weiss nämlich, wie er sich für seine Anliegen verschiedenen Zielgruppen gegenüber einzusetzen hat. Er ist frei von Berührungsängsten und von falschem Standesdünkel. Sein Hauptanliegen ist es, die Menschen für etwas zu begeistern – aus welchen Motiven heraus sie begeistert sind, überlässt er ihnen. Er versucht nicht, ihnen vorzuschreiben, wie sie einen Sachverhalt wahrnehmen sollen – Hauptsache, sie nehmen ihn wahr und anerkennen seine Wichtigkeit.


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*Selbstverständlich ist es auch möglich, dass jemand Kulturschaffender und Kulturmanager in einer Person ist. Umso besser; für diese Personen stellt sich das Problem nicht.

2007-09-17

Der Kulturminister springt mir nicht ins Auge

Von unkultur @ 16:05 [ Kulturpolitik ]
Der Titel fasst zusammen, was mir in den letzten Tagen/Wochen/Monaten als eklatanter Mangel an Präsenz seitens des Projektes "Kulturministerium" aufgefallen ist. Wir haben einen spannenden Wahlkampf, wir haben einen alternativen Minister, der frech Zuständigkeiten für sich beansprucht, wir haben Anlässe mit etwas Prominenz: Mit diesen Inhaltsstoffen liesse sich etwas mehr als nur marginale Aufmerksamkeit erreichen, würde man denken.

Wieder mal zu optimistisch gedacht:

- Der bisherige Kulturminister, Heinrich Gartentor, war an erstaunlich wenigen Anlässen offiziell präsent und hat seine Meinung nur selten so geäussert, dass sie bis zu mir durchgedrungen wäre.

- Eine Umfrage in meinem kulturaffinen Bekanntenkreis ergibt: Praktisch niemand weiss überhaupt Bescheid über das Kulturministerium und den Kulturminister. Grosses Erstaunen, wenn ich darüber erzähle.

- Seit wenigen Tagen haben wir einen neuen Kulturminister. Weshalb muss ich Meldungen dazu suchen? Sollten mich die Meldungen nicht stattdessen anspringen? Wenigstens berichtet der Blog kultpavillon.

- Warum steht auf der Website des Kulturministeriums zum jetzigen Zeitpunkt noch immer nichts über den Wahlsieger? (Ausser irgendwo versteckt unter "Service"). Weshalb ist hier kein Bericht über die Grande Soirée zu lesen? Warum ist die Website praktisch nie aktuell?

- Weshalb herrscht in den "Dossiers", eigtl. der wichtigste Teil der Website, gähnende Leere? Warum gibt es keine Statements, Hintergrund-Infos, Analysen zu den einzelnen Dossiers?

- Warum hat der neu gewählte Kulturminister Dominik Riedo noch nichts gesagt, das interessant und einprägsam genug ist, um es hier zu zitieren (und wenn doch, weshalb ist es nicht bis zu mir durchgedrungen)?


Es geht mir nicht darum, das Projekt Kulturministerium in den Dreck zu ziehen. Vielmehr möchte ich durch meine Kritik illustrieren, dass es eine grossartige Idee ist, die aber ohne eine gewisse Visibilität ins Leere läuft. Schade eigentlich.

Vermutlich mangelt es an Geld und an Manpower. Allerdings könnten einige der erwähnten Missstände mit einer relativ kleinen Dosis von beidem behoben werden.


> Einer der älteren Kulturminister-Einträge von unkultur
> Weshalb sollte die Tätigkeit eines Kulturschaffenden und diejenige eines Politikers unvereinbar sein?

2007-08-17

Schon wieder wählen gehen

Von unkultur @ 19:42 [ Kulturpolitik ]
Schon im nicht-virtuellen Leben muss ich mir dauernd den Kopf über Wahlen und Abstimmungen zerbrechen. Und jetzt das, nebenbei auch noch mitten in meine Skype-Krise hinein:

Nachdem ich mir lange und reiflich überlegt hatte, welcher der beiden Endkandidaten für das Amt des Kulturministers die offizielle Unterstützung von unkultur verdiente, konnte ich endlich vor einigen Wochen die Entscheidung treffen. Und jetzt ist mein offizieller Kandidat zurückgetreten.

Das bedeutet: wieder Profile lesen, googeln, Meinung bilden… unkulturs Wahltipp wird irgendwann später abgegeben. Wenn Skype wieder funktioniert, beispielsweise.

Eins ist klar: Ich bin immer noch der Meinung, dass der ideale Kandidat Politiker-Qualitäten haben muss. Und: Das Kulturministerium sollte seine Website ganz dringend aktualisieren. Nach zwei Jahren sollte man deutlich mehr Content (bzw. Substanz) erwarten können.

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