Der Kulturminister springt mir nicht ins Auge
| Von unkultur @ 16:05 | [ Kulturpolitik ] |
Wieder mal zu optimistisch gedacht:
- Der bisherige Kulturminister, Heinrich Gartentor, war an erstaunlich wenigen Anlässen offiziell präsent und hat seine Meinung nur selten so geäussert, dass sie bis zu mir durchgedrungen wäre.
- Eine Umfrage in meinem kulturaffinen Bekanntenkreis ergibt: Praktisch niemand weiss überhaupt Bescheid über das Kulturministerium und den Kulturminister. Grosses Erstaunen, wenn ich darüber erzähle.
- Seit wenigen Tagen haben wir einen neuen Kulturminister. Weshalb muss ich Meldungen dazu suchen? Sollten mich die Meldungen nicht stattdessen anspringen? Wenigstens berichtet der Blog kultpavillon.
- Warum steht auf der Website des Kulturministeriums zum jetzigen Zeitpunkt noch immer nichts über den Wahlsieger? (Ausser irgendwo versteckt unter "Service"). Weshalb ist hier kein Bericht über die Grande Soirée zu lesen? Warum ist die Website praktisch nie aktuell?
- Weshalb herrscht in den "Dossiers", eigtl. der wichtigste Teil der Website, gähnende Leere? Warum gibt es keine Statements, Hintergrund-Infos, Analysen zu den einzelnen Dossiers?
- Warum hat der neu gewählte Kulturminister Dominik Riedo noch nichts gesagt, das interessant und einprägsam genug ist, um es hier zu zitieren (und wenn doch, weshalb ist es nicht bis zu mir durchgedrungen)?
Es geht mir nicht darum, das Projekt Kulturministerium in den Dreck zu ziehen. Vielmehr möchte ich durch meine Kritik illustrieren, dass es eine grossartige Idee ist, die aber ohne eine gewisse Visibilität ins Leere läuft. Schade eigentlich.
Vermutlich mangelt es an Geld und an Manpower. Allerdings könnten einige der erwähnten Missstände mit einer relativ kleinen Dosis von beidem behoben werden.
> Einer der älteren Kulturminister-Einträge von unkultur
> Weshalb sollte die Tätigkeit eines Kulturschaffenden und diejenige eines Politikers unvereinbar sein?
Kommentare
2007-09-18 10:19:13
und was sagt uns das, dass dieser eintrag die letzten gut 18std. nicht kommentiert wurde? entweder liest niemand aus der kultur den unkultur-blog....; oder, wie unkultur bereits geschrieben hat, niemand interessiert sich für den kulturminister.
ich nehme an, dass das ganze am geld scheitert. wobei: um in den medien (anhaltende) aufmerksamkeit zu generieren, braucht es nicht unbedingt viel kohle.
beim kulturminister ginge es eigentlich in erster linie um ein lobbying von der kultur in der politik. so gesehen müssten sich alle künstlerInnen und institutionInnen an diesem projekt finanziell beteiligen. mein vorschlag: wir führen ein kulturminister-promille ein. alle zahlen 1 promille ihres/seines umsatzes/budgets in den topf des kulturministers. das sollte möglich sein (bei uns im cabaret wären es rund 750.-/jahr).
ein weiteres grosses problem ist: für wen/was steht der kulturminister ein? ich ging z.b. mit gartentor überhaupt nicht einig, als er sich für den erhalt des urheberrecht einsetzte. das wäre ja dann dasselbe problem wie bei economie-suisse, wo die uhren- und die maschinenindustrie eigentlich auch andere politische ziele verfolgen, als die banken und die pharma-branche.
2007-09-18 12:25:58
Tatsächlich, während es auf meine "Volkskultur"-Einträge Reaktionen hagelte, scheint sich nie jemand für das Kulturminister-Thema zu interessieren.
Oder vielleicht liest tatsächlich niemand mehr meinen Blog, seit ich über Dinge wie Volkskultur schreibe ;-) Im August hatte ich immerhin noch über 10'000 Visitors, während es diesen Monat nicht so in die Gänge zu kommen scheint...
Egal. Ich bin auch der Meinung, dass das Lobbying von der Kultur in der Politik die Hauptaufgabe ist - nur kann ein Mensch allein nicht wahnsinnig viel Lobbying machen (dazu braucht es mehrere Menschen bzw. Gruppen). Daher muss sich der Kulturminister umso mehr darauf konzentrieren, öffentliche Aufmerksamkeit zu erreichen, um dadurch die Arbeit der Lobbyisten (sofern es denn welche gibt) zu unterstützen und sichtbar zu machen.
Selbstverständlich wird er uns nie alle vertreten können; dafür gibt es viel zu unterschiedliche Ansichten in der Kulturbranche. Aber es wäre engstirnig, ihn deswegen nicht zu unterstützen. Eine Abgabe wäre toll, aber dazu wären die meisten erst bereit, wenn er erste Resultate vorweisen könnte.
Ich würde zu gerne wissen, was der Kulturminister und vor allem die Initianten dieses Projektes über unsere Meinungen denken, was die Aufgabe des Kulturministers ist. Aber sie scheinen sich offenbar (bisher) nicht darum zu kümmern, was über sie verbreitet wird, und dass es für sie günstig sein könnte, sich in die Diskussion einzumischen.
2007-09-18 17:47:19
Die Frage, warum bei manchen Beiträgen Kommentare geschrieben werden und bei manchen nicht, beschäftigt mich auch immer wieder.
Bei mir sind es zwei Faktoren, die Kommentare hervorrufen. Einerseits Bloggerthemen (Web 2.0, etc.), wobei sich da eher keine Kulturleute beteiligen. Und andererseits emotionale Themen, die die Leute berühren, wie z.B. die Volkskultur.
Ein wahrscheinlich langfristiges Ziel sollte es aber wirklich sein, Blogs so aufzuwerten, dass die Kommunikation auch mit offiziellen Stellen über diesen Kanal möglich ist. Bis jetzt ist das aber leider nur ein frommer Wunsch. Leider auch in Österreich.
2007-09-20 10:30:09
Zur Kenntnis genommen! Es hängt eben leider auch damit zusammen, bei welchen Anlässen man eingeladen ist. Sprecht mehr Einladungen aus, der Kulturminister kommt schon! Daneben war ich in sechs Tagen bereits zwei Mal im Nationalrat, habe zwei Anfragen beantwortet, ein Treffen mit Kulturgruppen gehabt und eine Pressekonferenz und die Grande Soirée besucht. Heute bin ich in der Tonhalle eingeladen! Es liegt aben auch an den Medien, dass sie nicht berichten.
Noch was: Es ist eklatant wenig Geld vorhanden!
Aber dnake für den Bericht und das Aufrütteln...
Beste Grüsse
Dominik Riedo
Kulturminister der Schweiz
2009-09-10 14:48:28
Die Schweiz sucht den neuen Kulturminister oder die neue Kulturministerin!
Die Vereinigung "OFFOF unabhängige Kunsträume Schweiz" empfiehlt die Wahl von Frau Aurelia Fischli.
Wählen Sie Frau Fischli auf:
http://wahl09.kulturministerium.ch/election/34
Die elektronische Urne ist bis zum 20. September offen!
Oder machen Sie sich ein Bild unserer und der anderen KanditatInnen an den Wahlveranstaltungen in Ihrer Stadt:
Bern, Freitag, 11. September, 20 Uhr, Progr. Es moderiert Raphael Urweider.
Zürich, Samstag, 12. September, 20 Uhr, Rote Fabrik. Es moderieren Etrit Hasler und Kyros Kikos.
Neuchâtel, Dienstag, 15. September, 20 Uhr, Musée d'ethnographie. Moderation: Thierry Luterbacher.
Luzern, Mittwoch, 16. September, 19.30 Uhr, Südpol. Es moderiert Philippe Bischof.
Basel, Donnerstag, 17. September, 20 Uhr 15, Kaserne. Es moderieren Krneta, Greis & Apfelböck.
Was ist das kulturministerium.ch?
Das kulturministerium.ch ist das Sprachrohr aller, die sich für eine lebhafte, farbige, aktuelle Kultur in der Schweiz engagieren.
Das kulturministerium.ch ist besorgt um eine kritische Auseinandersetzung mit der Kultur in der Schweiz. Es soll mithelfen, die Kultur in Gesellschaft und Politik zu verankern und das Ansehen der Kultur zu stärken. Das kulturministerium.ch fördert die kulturelle Vielfalt in der Schweiz. Es entwickelt Ideen und Visionen für die kulturelle Zukunft.
Das kulturministerium.ch setzt sich dafür ein, dass die im kulturellen Sektor Werktätigen frei und unabhängig arbeiten und sich entfalten können.
Das kulturministerium.ch wacht darüber, dass Art. 21 der Bundesverfassung: «Die Freiheit der Kunst ist gewährleistet» uneingeschränkt Gültigkeit hat. Das kulturministerium.ch steht im Dienst der Kultur und arbeitet eng mit den Verbänden
der Künstlerschaft in der Schweiz zusammen.



