2009-10-24

Der Kadazz ist nur unter Kadazz kadazz – Das Fazit

Von unkultur @ 12:54 [ Kadazz ]
Ich schulde meiner geneigten Leserin noch ein Fazit. Zwar ist sie sehr wohl in der Lage, selbst zu diesem zu gelangen, aber ich bin sicher, sie schätzt meine Gründlichkeit.

Was also meine ich mit „Der Kadazz ist nur unter Kadazz kadazz“? Wären die beiden hübsch gemachten Frauen nicht in eine Kadazz-Quartierbeiz gegangen, sondern beispielsweise in eine Agglo-Spunte oder in einen Banker-Aufrissschuppen, wären sie nicht als Kadazz erkannt und somit nicht für ihre Regelverstösse bestraft worden.

Ihnen wäre vermutlich sogar wohlwollende Aufmerksamkeit zuteil geworden. Allerdings stellt sich die Frage, ob sich denn die beiden Abtrünnigen über Aufmerksamkeit durch die Besucher der Agglo-Spunte bzw. des Banker-Aufrissschuppens gefreut hätten, und die Antwort liegt auf der Hand: Nein.

(Ketzerische Frage: Hätten sie sich über die Aufmerksamkeit durch Kadazz gefreut? Leider ebenfalls nein. Nachdem beide vor kurzem ein kompliziertes Balzritual mit jeweils einem Kadazz erfolgreich beendet haben, ist mehrmonatige Erholung angesagt.)

Fazit: Am besten einfach die berühmt-berüchtigte Liste der Dinge, die ein Kadazz verachten muss, beachten. Das erspart der beflissenen Kadazz viele Scherereien, Denkverrenkungen und Kränkungen.

Der Kadazz ist nur unter Kadazz kadazz

Von unkultur @ 09:55 [ Kadazz ]
Nehmen wir mal an: Zwei Kadazz machen sich ein bisschen hübsch und gehen in die Quartierbeiz auf einen Drink oder zwei.

Dieser harmlos wirkende Satz ist in Wirklichkeit vermintes Gelände. Darin enthaltene Wörter wie „Quartierbeiz“ sind zwar absolut Kadazz-konform, das Wort „hübsch“ hingegen steht weit oben auf der berühmt-berüchtigten Liste der Dinge, die ein Kadazz verachten muss, in Gesellschaft von Monstrositäten wie „chic“, „nett“, „aufgestellt“ oder „rassig“.

Die beiden Kadazz wissen das natürlich, und im Prinzip sind stimmen sie dem Verdikt der Liste zu. Bloss, heute hatten sie aus unerklärlichen Gründen trotzdem Lust, sich etwas hübsch zu machen; sie haben sich Mut angetrunken und haben nun sogar die Unverfrorenheit, eine sehr kadazze Quartierbeiz zu betreten. Sie hegen die Hoffnung, sie würden vielleicht nicht als Kadazz erkannt; man würde sie für verirrte Landeier halten.

Wie töricht! Auf der Stelle werden sie erkannt. Irritierte Blicke empfangen sie, eisige Verachtung schlägt ihnen entgegen. Die Kadazz hinter der Bar beendet demonstrativ ein halbstündiges Telefongespräch, bevor sie geruht, die zwei zu bedienen. Die männlichen Kadazz rücken demonstrativ von den beiden Verräterinnen weg, um zu verdeutlichen, dass sie sich ganz bestimmt nicht von den vier hübschen Knien dort drüben beeindrucken lassen.

Nun gut, die beiden Kadazz tun ihr Bestes, um sich trotzdem zu amüsieren. Endlich, nach einigen Stunden, taucht eine Gruppe männlicher zigeunerhafter Wesen in der Quartierbeiz auf. Und weil zigeunerhafte Wesen zwar sehr wohl Kadazz-konform sind, die Kadazz-Regeln aber selbst nicht kennen, setzen sie sich demonstrativ in die Nähe der beiden Abtrünnigen und tun ihr Interesse ziemlich unverhohlen kund.

Endlich nähert sich einer aus der Gruppe – der mit den wilden kohleschwarzen Augen – einer der beiden Kadazz, setzt sich auf ihre Sofalehne und setzt zum Sprechen an.

Die Kadazz denkt: Jetzt wird er mit heiserer Stimme und schwerem Akzent etwas richtig Verruchtes, Unsittliches, Abenteuerliches sagen, sodass alle anwesenden Kadazz erröten, ohne die geflüsterten Worte überhaupt gehört zu haben. Die Welt wird für ein paar Sekunden stillstehen, während wir beide in diese Szene aus „The Man Who Cried“ versetzt werden; Johnny Depp und Christina Ricci am Lagerfeuer verkörpern.

Der Mann sagt: „Hesch mer es Visitechärtli?“

Plötzlich sind die beiden Kadazz sehr müde und nüchtern. Es ist Zeit, das Experiment abzubrechen und nach Hause zu gehen.

2009-09-22

Die allmächtige Liste

Von unkultur @ 08:42 [ Kadazz ]
Da ist sie nun also, die Liste, unsichtbar zwar, aber als alleinige moralische Instanz unter den Kadazz mit einer enormen Macht ausgestattet. Wie so oft bei Göttern hat eine Idee, die von den Menschen selbst erschaffen wurde, plötzlich eine Eigendynamik entwickelt und ist übermächtig geworden.

Das Kadazztum hat seine Blüte noch nicht erreicht: Es hat noch keine Prophetin. Ja, eine Prophetin müsste es sein, denn obwohl dem Kadazztum ebenso viele Männer wie Frauen angehören, ist es ganz klar eine weiblich geprägte Glaubensgemeinschaft. Natürlich gibt es einige Aspirantinnen aus Zürich, aber die sind noch nicht reif. Natürlich gibt es Miranda July, die aber einen entscheidenden Makel hat: Dass sie nicht Zürcherin ist.

Da stehen also die Kadazz ziemlich verloren mit ihrer Liste und wissen nicht, was sie damit anfangen sollen. Sie warten auf eine heisere, Züri-Slang sprechende Frauenstimme, die ihnen sagt, dass die Liste legitim ist. Dass sie auf dem richtigen Weg sind. Damit sie nicht mehr täglich zweifeln müssen und sich fragen, ob sie nicht auswandern sollten nach Kopenhagen oder Amsterdam oder sogar ins Bündnerland.

2009-09-21

Die Kadazz haben nicht achtgegeben

Von unkultur @ 23:22 [ Kadazz ]
Eine Kadazz ist beispielsweise im Mittelland-Mittelstand aufgewachsen, FDP-reformiert-imprägniert. (Es gibt da noch diverse mögliche Zusammensetzungen, aus denen Kadazz hervorgegangen sind, zu ergänzen durch meine geschätzte Leserschaft). Alles, was die Kadazz wollte, war: Da raus! In ihrem ersten Moment der Klarheit im zarten Alter von ungefähr 12 Jahren schwor sie sich: „Niemals, niemals werde ich sagen: Man macht das so.“

Aber die Kadazz hat nicht achtgegeben. Wo steht sie jetzt, und wo stehen all ihre Kadazz-Kollegen? Wohl sagen sie nicht „Man macht das so“; sie wagen es nicht mal zu denken, aber irgendwo in ihrem Kopf haben sie diese Doktrin wieder eingeführt, mit eigenen neuen Parametern sich selbst überlistet, und nun leben sie ständig nach einem unhörbaren, unsichtbaren „Das mag man“ oder „Das mag man nicht“.

Die Kadazz sind konservativ. Auch wenn sie es sich niemals eingestehen würden.

Sie leben mit einer Liste von Dingen, die man mögen darf und Dingen, die man nicht mögen darf. (Selbstverständlich würden sie auch unter Folter nicht zugeben, dass diese Liste existiert). Auf der Liste der Dinge, die man mögen darf, stehen die voraussehbaren Dinge wie Flohmärkte (nicht alle, aber der Flohmi am Helvetiaplatz ganz bestimmt), Ethno-Schals, Rennvelos, Stuckatur-Decken, Vintage-Designmöbel (es gibt da eine ganz bestimmte Marke, aber als nicht-eingeweihte Nicht-Kadazz kenne ich die nicht), Musu Meyer, Miranda July (wenn sie in Zürich lebte, wäre sie die Essenz des Kadazztums), Wasabi-Nüsse, das Playlust-Blog, Istanbul, das Helsinki, Tischfussball.

Gewisse Dinge auf dieser Liste werden bedauerlicherweise nach einer gewissen Zeit von einem zu breiten Mainstream gemocht. Einige werden dann aus der Liste gekippt, während andere problemlos weiterhin gemocht werden dürfen, weil sie unverzichtbar sind (z.B. Mac, Ballerinas, zu Handtaschen umgebaute Plastik-Einkaufstaschen). Allerdings muss die Kadazz von nun an ein ironisch gebrochenes Verhältnis zu diesen Dingen demonstrieren; sie muss dann Aussagen machen wie „Ich mag ja den Geschmack von Trüffelöl, aber es riecht wie Schweiss“ oder (frei nach Michèle Roten) „Seit ich 30 bin, fühle ich mich zu erwachsen für mein iPhone“. Oder, was der Wahrheit am nächsten kommt: „Ich komme mir etwas langweilig vor, weil das Rosso immer noch zu meinen Lieblingsrestis zählt.“

Selbstverständlich gibt es auf jeder Kadazz-Liste etliche Joker-Positionen, die ganz kreativ besetzt werden dürfen, damit das Eklektische und der exotische, eigenständige Geschmack nicht zu kurz kommen. Wenn eine Kadazz ein ausgewogenes Innenleben hat, darf sie ohne Scham folgende Dinge mögen und sich auf ihre Kühnheit etwas einbilden: das Schweizer Alternativ-Volksmusik-Quartett Quantensprung, den Zirkus Monti, Zahnarztbesuche, wollene handgestrickte Unterhosen, Rinderhälften direkt vom Bio-Bauern (wird schon bald zur obligatorischen Liste wechseln), Antarktistouren, Kutteln, Durian-Früchte, das Nichtrauchen, alte Mercedes, türkis-hellgelb-gestreifte Unterwäsche, Landhockey.

Und nun zur kilometerlangen Schwarzen Liste, der berühmt-berüchtigten Liste der Dinge, die eine Kadazz verachten muss: Sie beginnt bei French Nails, führt über Dan Brown und Motorräder mit Seitenwagen und endet bei weisser Schokolade. Selbstverständlich sind da sehr viele Namen von Politikern aufgeführt, wobei diejenigen, die von der Mehrheit der Bevölkerung sowieso gehasst werden (beispielsweise die 3 Bs), nicht extra erwähnt werden müssen.

Als Regel gilt: Wer die Existenz dieser Liste am vehementesten abstreitet (wir werden’s in den Kommentaren lesen), lebt am striktesten nach einer Liste. Auch wenn die vielleicht etwas anders aussieht. Der Kadazz, der die Liste zu ignorieren vorgibt, ist Meister der Bigotterie. Aber was wäre anderes zu erwarten, bei dieser Herkunft.