2009-09-08

Ist der TheaterSpektakel-Effekt erwünscht?

Von unkultur @ 09:05 [ Kluturbanause ]
Die Lange Nacht der Museen habe ich bis zum letzten Porzellanteller ausgekostet – als ich aber um 3 Uhr morgens im Foyer des Kunsthauses stand und mir die Stimmbänder kaputtschrie, damit ein paar banale Worte über die Giacometti-Ausstellung meine Begleitung erreichen mögen, fragte ich mich, was genau das Ziel der Aktion sei. Nicht dass ich als unkultur etwas gegen die Vermischung von Kultur und Kommerz, Unkultur und Subkultur, dröhnenden Bässen und Nebelspalter-Zitaten hätte; im Gegenteil, nur zu! Trotzdem, wunderte ich mich – nach meinen Ohropax tastend und nach Luft schnappend –, ob die teilnehmenden Häuser wohl ihr Ziel, worin es auch immer bestand, an diesem Abend erreicht hätten.

Das (nachhaltige) Ziel könnte sein, eine Gruppe von Leuten zu erreichen, die sonst kaum Museen besuchen, sie von der Welt der Museen zu begeistern und sie dazu zu bringen, häufiger vorbeizuschauen. Ich bezweifle, dass es erreicht wurde, denn die Leute sind nicht dumm: Sie wissen, dass die Museen für eine Nacht ein anderes Gewand übergestreift haben.

Das (weniger nachhaltige) Ziel könnte auch sein, Museumsmuffel dazu zu bewegen, wenigstens einmal im Jahr ins Museum zu gehen. Danach heisst es aber: Auf Wiedersehen bis in 365 Tagen, wenn es im Schauspielhaus wieder tönt und riecht wie im Helsinki oder in der Hafenkneipe oder meinetwegen im St. Germain. Das ist der TheaterSpektakel-Effekt: Viele Leute gehen einmal pro Jahr ins Theater – wenn es ihnen in einem gefälligen Rahmen geboten wird.

Kollateral wurde wohl hauptsächlich eine dritte Gruppe erwischt, die nicht im Visier war: Die Kadazz*, die dann ins Museum gehen, wenn sich möglichst viele andere ihrer Gattung da tummeln, damit sie auch bestimmt gesehen werden. Ich habe ein Gespräch zwischen zwei Kadazz belauscht. Kadazz 1: „Warst Du schon an der Englischviertelstrasse, bei den Skeletten?“ Kadazz 2 (geistesabwesend): „Bei den Skeletten, nein... Ist Dir da vielleicht Kadazz 3 über den Weg gelaufen?“ Kadazz 1: „Nein; da würde ich sie auch nicht erwarten. Sie passt eher zu den Buddhas, findest Du nicht?“



_____________________
*Was ein(e) Kadazz ist, wird in absehbarer Zeit erklärt – vielleicht.


Kommentare

Zappadong - alicegabathuler [at] gmx.ch - http://www.zappadong.blogpsot.com
2009-09-09 10:46:46

Danke. Danke. Danke.

ähm, war doch nicht so schlimm, oder ... auf ein baldiges Wiederlesen.


BodeständiX - hanspeter [at] gautschin.ch - http://volkskultur.blogspot.com
2009-09-09 11:14:07

Juhui! unkultur is bäck - und wie. Merci, merci. Ich schliesse mich übrigens Frau Zappadong an: "Twittern ist sch...langweilig!"

Beta
2009-09-11 14:55:09

Verehrte Unkultur! Schon lange bewegt mich die Frage, was denn eine Kadazz sei. Auf die angekündigte Aufklärung warte ich denn auch sehnlichst. Ergenenst, B. v. Alpha

unkultur
2009-09-12 15:15:41

Geschätzter Beta von Alpha,

Gerne, sehr gerne, würde ich diesen Sachverhalt endlich aufklären - nur läuft auf Twitter immer noch der offizielle Wettbewerb. Vielleicht ertüftelt in diesem Moment einer meiner treuen Twitter-Anhänger das Ergebnis.

Kleiner Hinweis: Kadazz würde sich ganz korrekt "kadAzZ" schreiben.

Mit freundlichem Eckzähnefletschen,
unkultur

Kommentar verfassen

Name
E-Mail
Url
Ihr Kommentar
Anti-Spam Überprüfung (Code ins Eingabefeld übertragen)
Auto-BR (Zeilenumbrüche werden <br>-Tags)