In den Niederungen des Kommerzes
| Von unkultur @ 11:07 | [ Kluturbanause ] |
«Es interessiert mich einfach nicht. Es hat mit Konsum zu tun. Passiv sich berieseln lassen.» Kunst hingegen, Kunst sei etwas Aktives, sagt Fischer, sie aktiviere unser emotionales Leben, sie lehre uns etwas über unsere Gefühle, ja, sie erziehe uns, verschaffe uns neue Erfahrungen.Welch lächerliche Aussagen. Wenn ich mir also ein Konzert von Julia Fischer anhöre, dann tue ich etwas Aktives, indem ich mein emotionales Leben aufputschen lasse? Oder meint sie mit dem aktiven Part nur ihren eigenen; wir Konsumenten befinden uns indessen in den Niederungen des Konsums und bestaunen die aktive Künstlerin auf der Bühne?
Quelle: Artikel von Ursula von Arx im TagiMagi, 2007/45
Wer noch immer versucht, die Kategorien Konsum und aktives Geniessen, Kommerz und wertvolle Kultur, Unterhaltung und Kunst krampfhaft aufrechtzuerhalten, hat ein schwieriges Leben. Dauernd muss er sich überlegen: Wenn ich jetzt da hingehe, widme ich mich dem Kommerz? Wo genau liegt die Trennlinie?
Diese Kategorien sind etwas Künstliches, von aussen Aufgezwungenes. Abgesehen von einigen Abgehobenen wie Julia Fischer wollen sich die Macher nicht dauernd überlegen, ob sie nun Kultur oder Kommerz produzieren. Noch weniger möchte ich als Konsumierende oder Geniessende mir diese Gedanken machen. Ich sehe das so: Kultur und Kommerz sind immer beide dabei - auf unterschiedlichen Ebenen halt.
Kommerz ist nichts "Schändliches". Wir alle müssen irgendetwas verkaufen, damit wir davon leben können, auch Julia Fischer. Oder verlangt sie für ihre Konzerte etwa keinen Eintritt? Sie hat einfach das Glück, in einer Sphäre tätig zu sein, wo die Vermarktung (noch) etwas diskreter abläuft. Um das, was mir nicht gefällt, nicht zu konsumieren, habe ich übrigens ein einfaches Mittel: Ich gehe nicht hin.
> Artikel zu einem verwandten Thema: "Wer ist schuld daran, wenn ich keine Förderung bekomme?" auf dem Blog Kulturmanagement. Christian Henner-Fehr schreibt darin: "Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass es heute nicht mehr genügt, “qualitativ” hochwertige Kunst (was auch immer das sein mag) zu produzieren."
> Folgeeintrag von unkultur (Das Märchen von der puren Kunst ohne Markt)
> Der Kulturmanagement-Blog spinnt das Thema weiter
Kommentare
2007-11-12 11:50:16
...und nicht zu vergessen: Die Julia Fischer hat viele Steuergelder aktiv konsumiert, um heute als gefeierter Bühnenstar zu gelten (wobei auch viel, sehr viel Eigenaktivität und Willenskraft dazu vonnöten sind - aber eben auch bei sog. 'minderen' nicht üppig mit öffentlichen Mitteln ausgestatteten Kunst- und Kulturgattungen).Ich habe früher einmal in einem Anfall von Resignation gemeint, dass die Stützung der abendländischen 'Hochkultur' mit öffentlichen Geldern gerade hinter den Militärausgaben komme...
2007-11-12 13:46:20
gut, dass ich violine als instrument nicht ausstehen kann. ob das nun aktive oder passive kunst ist, ich müsste hinhören - und bei violine vermeide ich das wenn möglich.
2007-11-12 17:06:25
Eine tolle Marketingstrategie, die die Leute dazu bringt, ziemlich viel Geld für ein Konzert mit Julia Fischer auszugeben.
2007-11-13 09:09:47
Julia, 24, ist eben sehr romantisch, durch und durch. Gerade diese kompromisslose Hingabe zur Kunst macht ihr Spiel so betoerend.
Wer an der Musik nur interessant findet, wieviel Geld sie in Umlauf bringt, der moege sich doch bitte statt ins Konzert in die Besuchergalerien der Boerse oder des Parlaments setzen, dort spielt der Mammon erste Geige, fortissimo.
2007-11-13 09:26:23
@Christoph:
Niemand unter uns interessiert an der Musik hauptsächlich, wieviel Geld sie in Umlauf bringt. Im Gegenteil - wenn ich Musik höre, bin ich mit meiner ganzen Aufmerksamkeit bei der Musik und bei den Musikern. Aber: Wir verschliessen die Augen nicht vor der Tatsache, dass eine gigantische Marketingmaschinerie nötig ist, damit es begabte und engagierte Musiker (derer es viele gibt) überhaupt noch schaffen. - Zu sagen "Ich will nur Kunst machen und gebe mir keine Mühe aufzufallen" ist entweder heuchlerisch oder naiv.
2007-11-13 10:09:09
und kann mir jemand sagen, warum sich die gute frau für denselben artikel irgendwie in einer halbdurchsichtigen bluse auf eine kommode stehend ablichten lässt? da gäbe es mit sicherheit zurückhaltendere selbstdarstellungformen... ;)
2007-11-13 10:35:21
@Philipp Meier
Wie kannst Du dieses holde Geschöpf nur der Selbstvermarkung bezichtigen? Nach der harten künstlerischen Arbeit war sie eben erhitzt...
2007-11-13 12:24:46
Hallo ALLE neidische Schreiberlinge,
Es gibt eine Menge Leute, die von gute Musik leider keine Ahnung haben. Und je nach dem wie die PR groß ist, wird die ahnungslose Masse Menschen manipuliert.So passiert es, dass gute Musik gegen gut abgebildeteten Intrerpreten (egal ob Mann oder Frau, hauptsächlich in einer erotische Darstellung) in eine Konkurenz steht und hat mit gute Musik - Interpretation nichts zu tun. Das ist heutige Situation und wer darunter leidet? Vor allem alle Komponisten, wie Bach, Mozart, Beethoven dessen Name neben Playboy-Fotos auf der Hülle stehen! oder eine Kritik ertragen müssen, die nach Busen - Größe erteilt ist! Peinlich peinlich! Die wahre Botschaft der Musik bleibt leider weit hinter der PR.
2007-11-13 15:21:16
@ Christoph: Wir haben uns hier über die Äußerungen von Frau Fischer unterhalten. Da ging es um Kunst und Kommerz und die Trennung von Kunst und Unterhaltung.
Wenn ich nun der Meinung bin, dass diese Trennung nicht möglich ist, freue ich mich über Gegenargumente.
Stattdessen muss ich mir nun sagen lassen, dass mich an ihrer Musik nur das Geld interessiert. Ähm, ja, endlich kenne ich mich aus...
@ Zara: Gut, mich interessiert also an der Musik das Geld, ich bin ein neidischer Schreiberling und habe von Musik keine Ahnung.
In meiner Ahnungslosigkeit verstehe ich auch nicht, warum Komponisten wie Bach, Beethoven oder Mozart sich jetzt mit erotischen Bildern vergleichen lassen müssen. Was haben sie mit dem Playboy zu tun? Und was um alles in der Welt hat das mit der Größe eines Busens zu tun?
Ich fürchte, ich bin doch schon manipuliert... :-(
2007-11-13 16:32:10
@Christian: Genau, die Komponisten werden eben ständig mit sex-sells-Fotos in Beziehung gesetzt. Etwa so: "Hast Du Dir auch bei Amazon die schnucklige Puppe (war glaube ich in A-Dur oder so) geholt?" Die Beziehung zwischen Inhalt und Form wird bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Jeder der Geld hat, kann sich das Marketing verschaffen, egal, wie er/sie - musikalisch gesprochen - des Komponisten Werk vergewohltätigt. "Geld schlägt Leistung", heißt dann das Motto. Und dagegen bin ich ebenso wie Julia Fischer. Ohne Künstler wie sie würden wir alle nur noch vom Geld betäubt. Das ist nicht meine Welt.
2007-11-13 18:47:06
@Jupi: Verehrter, kulturbeflissener Jupi: Ich werde Ihnen morgen einen Blog-Eintrag widmen. (Nein, es ist noch nicht der "culture vulture". Haben Sie Geduld.)
Hochachtungsvoll,
unkultur
@Zara: Die böse PR manipuliert die Massen? Ist PR gar Opium fürs Volk? ;-) Ich bin schockiert!
2007-11-13 19:34:18
@Jupi: Ich muss gestehen, ich kaufe meine CDs oder DVDs nicht bei Amazon, insofern sind Komponisten für mich auch keine "schnuckligen Puppen". Aber ich bin ja lernfähig und bin die CDs im Bereich Klassische Musik durchgegangen. Wenn man sich da die Cover anschaut und von "sex sells" spricht, dann kann man C & A auch als Peepshow bezeichnen. Es mag schon sein, dass bei einzelnen Personen, z.B. bei Anna Netrebkov, Erotik eine Rolle spielt, aber das zu verallgemeinern, finde ich haarsträubend und lässt sich durch nichts belegen.
Ja, und der Rest besteht eigentlich auch nur aus Phrasen. "Wir werden alle vom Geld betäubt." Was ist das denn? Wer ist "wir"? Und wieso Geld? Ich dachte, sex sells?
Sorry, aber das ist mir dann doch etwas zu unqualifiziert. Im übrigen tut man, glaube ich, Julia Fischer, die ich als Musikerin übrigens sehr schätze, keinen Gefallen, wenn man sie mit solch haarsträubenden Kommentaren in Verbindung bringt. Das schadet ihrem Image und ist auch so etwas wie Marketing. Allerdings eher billig und negativ.
2007-11-14 11:48:42
@Christian
offensichtlich es gibt doch noch Menschen wie Dich, die Musik und dessen Interpreten unabhängig von Markenting genießen können. Da bin ich echt sehr froh darüber! Danke;-)
@unkultur
"Die böse PR manipuliert die Massen? Ist PR gar Opium fürs Volk? ;-) Ich bin schockiert!"
Tja, Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, auch wenn es mit einem ironischem Unterton deinerseits gefärbt ist;-)
2007-11-14 13:06:02
@Zara: ich glaube, Du bringst da was durcheinander. Musik zu genießen, hat nichts mit Marketing zu tun. Das mache ich im Konzertsaal oder mittels "Konserve". Damit ich sie genießen kann, wird der oder die KünstlerIn aber Marketingsmaßnahmen setzen müssen, damit ich überhaupt davon erfahre. Auch Julia Fischer hat eine, wie ich finde, sehr ausgeklügelte Marketingstrategie.
Und noch eine Anmerkung: PR und Marketing sind zwei paar Schuhe.
2007-11-14 18:35:21
@Christian
Mag sein, dass ich mich falsch ausgedrückt habe oder PR und Marketing zwei paar Schuhe sind....vielleicht dies wird helfen. Zit.aus dem Artikel "Die Wundertäterin": "Das Sensationelle zum Beispiel einer jungen Geigerin liegt dann meist nicht in ihrem Können.
Stärker als ihr Spiel bleibt die Inszenierung in Erinnerung, und das nicht nur wegen Vanessa Mae im nassen T-Shirt oder dem finnischen Model Linda Lampenius, das auch im Badekleid auftritt und so wild spielt, dass sich die wasserstoffblonden Haare im üppigen Décolleté verfangen. Auch von Sarah Chang weiss die Öffentlichkeit wohl mehr über ihr Verhältnis zum Shopping als zu Chopin."
2007-11-15 09:52:48
@Zara: Ich finde es kurios, dass Du einerseits der PR vorwirfst, dass sie die Menschen manipuliert und Dich andererseits auf einen Artikel berufst, der im ärgsten PR-Jargon gehalten und in meinen Augen sehr tendenziös geschrieben ist.
Nichts gegen Julia Fischer. Ich habe auch keine Ahnung, wie dieser Artikel zustande gekommen ist. Aber ich finde es immer bedenklich, wenn ich meine Leistung durch die Diffamierung anderer hervorheben muss. Und das passiert in dem zitierten Artikel "Die Wundertäterin". Und da gebe ich nicht nur der Verfasserin die Schuld, sondern Fischer auch, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sie den Artikel nicht davor zu lesen bekommen hat.
2007-11-15 12:04:48
@Christian
mir ging es nur darum, dass PR versus KÖNNEN! heutzutage primär vermarktet wird und das sollte nicht so sein;-)



