2007-04-05

Die Beziehung zwischen dem Kulturmanager und dem Künstler

Von unkultur @ 22:53 [ Kluturbanause ]
Die Rolle des Kulturmanagers ist diejenige eines Vermittlers oder „Übersetzers“ zwischen der Welt des Künstlers (vereinfachte Zusammenfassung für bildende Künstler, Musiker, Schreibende, Theatermachende, Performende etc. etc.) und der Welt ……. (man setze je nach Überzeugung ein: des Kommerzes / des Kapitals / der übrigen Welt), einschliesslich der öffentlichen und privaten Finanzpartner, Kulturkonsumenten, Presse etc.

Wir sollten uns in beiden Welten etwas zu Hause fühlen; ganz zu Hause sein werden wir jedoch in keiner der beiden jemals. (Ich habe sechs Jahre lang im Herzen des Kapitals gearbeitet. Ich hatte und habe viele interessante Begegnungen mit Kunstschaffenden; eine der ersten und nachhaltigsten war diejenige mit einem Künstler in meiner Verwandtschaft.)

Exkurs: Ok; ich übertreibe es heute mit den Klammern, ich weiss. Meine Häufung von Klammern macht (nur bezügl. der Menge selbstverständlich) schon bald dem berühmt-berüchtigten MvH zu seinen besten Zeiten Konkurrenz (allerdings bin ich noch nicht auf der Stufe der verschachtelten Klammern; da muss ich noch etwas üben). Nach meiner Ode an den Strichpunkt wird wohl bald eine Ode an die Klammer fällig – wobei Letztere sich in Eleganz in keiner Weise mit Ersterem messen kann.

Zurück zum Thema: Dass es viele Künstler gibt, die äusserst organisiert, strukturiert und pünktlich sind, sich vorzüglich vermarkten, sich selbst trotz alldem treu bleiben und wunderbare Kunst schaffen – das ist kein Phänomen der heutigen Zeit; das gab es schon immer. Ebenso zeitlos sind die – ebenso häufig vorkommenden – Künstler, die dem alten Klischee entsprechen: Chaotisch, unorganisiert, unkommunikativ, unzuverlässig, egozentrisch, impulsgetrieben und angeblich nur durch all diese Eigenschaften fähig, inspiriert zu arbeiten (jeder dieser Künstler bräuchte eigtl. einen persönlichen Manager, sofern er sich ihn leisten könnte, und sofern es dieser mit ihm aushalten würde).

Von Letzteren gibt es eine Untergattung, die mir persönlich ein Gräuel ist: Solange es um ihre Kunst geht, sind sie äusserst eloquent, strukturiert und diszipliniert. Sobald es aber um etwas Organisatorisches geht – im Zusammenhang mit ihrer Kunst, was sie jedoch ignorieren – mutieren sie urplötzlich, von einer Minute auf die andere, zu wortkargen wenn nicht stummen, chaosbejahenden*, unberechenbaren, narzisstischen Wesen. Sprachbarrieren, die sich zuvor mit etwas Improvisation umgehen liessen, werden plötzlich unüberwindbar. Nun, der geduldige Kulturmanager setzt sich selbstverständlich trotzdem für die ihm anvertrauten Künstler ein – und gerade diese Sorte Künstler ist häufig besonders anspruchsvoll und fordernd.

Es kann vorkommen, dass dem (unkreativen, gefühllosen, bürokratischen) Kulturmanager im Umgang mit einem solchen Künstler irgendwann der Kragen platzt und er den sensiblen Kreativen unter Druck setzt – wenn nicht zu seinem Besten (das wäre anmassend, ja diktatorisch), dann wenigstens, damit ihm der Künstler später nicht die Hölle heiss macht, wenn plötzlich Dinge schief gehen. Er setzt ihn unter Druck oder stellt ihm sogar ein Ultimatum. O vergewaltigte künstlerische Seele! Der Künstler glaubt sich nun unverstandener denn je, signalisiert aber auch seine Verhandlungsbereitschaft. Fortsetzung folgt…


Was ich der Vollständigkeit und Gerechtigkeit halber erwähnen muss: „Reinformen“ dieser beiden Gattungen gibt es höchst selten; die meisten Künstler sind – wie alle Menschen – ein buntes Gemisch aus verschiedenen Typen. Meine allermeisten Begegnungen mit Kunstschaffenden waren und sind positiver Art.



*Dieses wunderbare Wort erzielt bei der Google-Suche NULL Treffer, sogar wenn es NDRS-konform in zwei Wörtern geschrieben wird – ich beantrage das Urheberrecht (und falls das nicht möglich ist, werde ich mir halt eine Wortpatenschaft erkaufen)! Jawoll.


Kommentare

Armin - info [at] arminrohr.de - http://armins.blogg.de
2007-06-18 15:13:23

… vielen Dank für den Artikel, aber in den vielen Jahren, in denen ich nun schon als Maler arbeite, ausstelle & zwangsläufig viele Kollegen kennen lernte, tendierte die Anzahl derer, die dem Bild(?) des Künstlers entsprechen nahezu gegen null. Im Gegenteil: Ich lernte viele Menschen kennen, die mit 2 Füßen im Leben stehen (durchaus auch mal kapriziös,aber stringent & selbstbewusst).

Klar, es gibt ihn, den Künstler, Chaoten, Egozentriker, Egomanen, Kommunikationsgestörten – aber: diese Art ist im Aussterben begriffen. Was zählt, ist Professionalität in Organisation & Durchführung von Projekten & die Qualität der Arbeit; dabei müssen Individualität, Witz & Ver-rücktheit lange nicht auf der Strecke bleiben …

Gruß

Armin

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