2009-10-29

Die Zwischenräume

Von unkultur @ 08:42 [ Musik ]
Das gestrige jazznojazz-Konzert des Brad Mehldau Trio hat mir wieder mal eindrücklich gezeigt, dass bei gutem Jazz nicht die Töne das Entscheidende sind, sondern das Ausgeklammerte, die Zwischenräume, so wie in einem guten Roman die Begriffe, um die es geht, nie genannt werden, oder, um ein prosaischeres Beispiel zu nennen, bei einem Scherenschnitt die Stücke, die herausgeschnitten wurden und durch ihre Abwesenheit hervorstechen, das Werk ausmachen.

Dieses Prinzip geht noch viel weiter; die Musik der Mitglieder des Trios schwebte auch über der Bühne, wenn die Instrumente schwiegen, etwa wenn der Kontrabass nach einem gewaltigen Solo verstummt war und jetzt, während Piano und Schlagzeug mit einer meisterhaften Munterkeit vor sich hinplätscherten, die Fata Morgana seiner Tongebilde weiterhin klar vor dem atemlosen Publikum stand.

Fast schmerzhaft waren die spannungsgefüllten Zwischenräume, wenn die Musiker jeweils Atem schöpften und zu einem neuen Stück ansetzten.

2009-10-26

Es ist wieder Event-Hochsaison

Von unkultur @ 22:17 [ Dada (im Alltag) ]
unkultur (Facebook-Chat @ Anna): „Hi Anna, kommst Du am Samstag an Event 1?“
Anna (Facebook-Chat @ unkultur): „Samschtig gaht nöd, da bini wahrschinli am Event 2, aber Friitig = absolute MUST!!!!“
unkultur (Facebook-Chat @ Anna): „Moment, Freitag ist irgendwas...“
Bea (Skype @ unkultur): „hey unkultur! vergiss nicht, dass wir am donnerstag an event 3 wollten!“
Chris (twittert @ Öffentlichkeit): „Don’t miss it! Thursday night: Spectacular Slam DJ Sukriz at Vacuum Club!“
unkultur (Skype @ Bea): „Donnerstag geht doch nicht, da hab ich Chris versprochen, dass wir an Event 4 gehen!“
Bea (Skype @ unkultur): „du musst das verschieben, honey, kannst event 3 unmöglich verpassen!“
Anna (Facebook-Chat @ unkultur): „Was isch jetz mit Friitig? Hesches öppe?“
Domi (Facebook-Statusmeldung @ Öffentlichkeit): „Reminder: Saturday Night unvergessliche Theater-Musikperformance mit dem internationalen Superstar Minimax!“
Anna (Facebook-Chat @ unkultur): „Oder weisch was, wännis mir überlege: Samschtig isch doch besser! OK? Ich reserviers mir!“
Esthi (SMS @ unkultur): „Ciao bella, vergiss nicht, dass wir am Freitag das Fest für Felix organisieren! Bist auf Skype? Ich komm auch gleich“
unkultur (Skype @ Esthi): „Ja, das blockier ich mir jetzt sofort in der Agenda!“
unkultur (halblaut zu sich selbst): „Freitag - oh shit!“
unkultur (E-Mail @ Arbeitskollegen): „Ciao Ivo, könntest Du am Freitag evtl. meine Abendschicht übernehmen? Tausche gegen einen beliebigen Tag nächste Woche. Ausser natürlich Mittwoch, da ist ja Event 5. LG, unkultur“
unkultur (Facebook-Chat @ Anna): „Sag mal, hättest Du nicht Lust, am Samstag stattdessen an Event 6 zu kommen? Wird ne einmalige Sache“
Anna (ist offline)
unkultur (E-Mail @ Anna): „Sag mal, hättest Du nicht Lust, am Samstag stattdessen an Event 6 zu kommen? Wird ne einmalige Sache“
Bea (Skype @ unkultur): „also hör mal, wenn du nicht bald antwortest, geb ich mein gratisticket jmd. anderem“
unkultur (Skype @ Bea): „Noch 1 Sekunde... habe selbst 2 Gratistickets“
Bea (Skype @ unkultur): „ah! wenn du nicht beide brauchst, kann ich eins davon an gabi weitergeben? sie möchte auch mit“
Chris (SMS @ unkultur): „Hey unkultur, you’re on the list, so you better show up on Thu!“
Bea (Skype @ unkultur): „hab jetzt gabi versprochen, dass sie mitkommen kann, ok?“

unkultur (offline): Disconnect, disconnect, disconnect, disconnect.

2009-10-24

Der Kadazz ist nur unter Kadazz kadazz – Das Fazit

Von unkultur @ 12:54 [ Kadazz ]
Ich schulde meiner geneigten Leserin noch ein Fazit. Zwar ist sie sehr wohl in der Lage, selbst zu diesem zu gelangen, aber ich bin sicher, sie schätzt meine Gründlichkeit.

Was also meine ich mit „Der Kadazz ist nur unter Kadazz kadazz“? Wären die beiden hübsch gemachten Frauen nicht in eine Kadazz-Quartierbeiz gegangen, sondern beispielsweise in eine Agglo-Spunte oder in einen Banker-Aufrissschuppen, wären sie nicht als Kadazz erkannt und somit nicht für ihre Regelverstösse bestraft worden.

Ihnen wäre vermutlich sogar wohlwollende Aufmerksamkeit zuteil geworden. Allerdings stellt sich die Frage, ob sich denn die beiden Abtrünnigen über Aufmerksamkeit durch die Besucher der Agglo-Spunte bzw. des Banker-Aufrissschuppens gefreut hätten, und die Antwort liegt auf der Hand: Nein.

(Ketzerische Frage: Hätten sie sich über die Aufmerksamkeit durch Kadazz gefreut? Leider ebenfalls nein. Nachdem beide vor kurzem ein kompliziertes Balzritual mit jeweils einem Kadazz erfolgreich beendet haben, ist mehrmonatige Erholung angesagt.)

Fazit: Am besten einfach die berühmt-berüchtigte Liste der Dinge, die ein Kadazz verachten muss, beachten. Das erspart der beflissenen Kadazz viele Scherereien, Denkverrenkungen und Kränkungen.

Der Kadazz ist nur unter Kadazz kadazz

Von unkultur @ 09:55 [ Kadazz ]
Nehmen wir mal an: Zwei Kadazz machen sich ein bisschen hübsch und gehen in die Quartierbeiz auf einen Drink oder zwei.

Dieser harmlos wirkende Satz ist in Wirklichkeit vermintes Gelände. Darin enthaltene Wörter wie „Quartierbeiz“ sind zwar absolut Kadazz-konform, das Wort „hübsch“ hingegen steht weit oben auf der berühmt-berüchtigten Liste der Dinge, die ein Kadazz verachten muss, in Gesellschaft von Monstrositäten wie „chic“, „nett“, „aufgestellt“ oder „rassig“.

Die beiden Kadazz wissen das natürlich, und im Prinzip sind stimmen sie dem Verdikt der Liste zu. Bloss, heute hatten sie aus unerklärlichen Gründen trotzdem Lust, sich etwas hübsch zu machen; sie haben sich Mut angetrunken und haben nun sogar die Unverfrorenheit, eine sehr kadazze Quartierbeiz zu betreten. Sie hegen die Hoffnung, sie würden vielleicht nicht als Kadazz erkannt; man würde sie für verirrte Landeier halten.

Wie töricht! Auf der Stelle werden sie erkannt. Irritierte Blicke empfangen sie, eisige Verachtung schlägt ihnen entgegen. Die Kadazz hinter der Bar beendet demonstrativ ein halbstündiges Telefongespräch, bevor sie geruht, die zwei zu bedienen. Die männlichen Kadazz rücken demonstrativ von den beiden Verräterinnen weg, um zu verdeutlichen, dass sie sich ganz bestimmt nicht von den vier hübschen Knien dort drüben beeindrucken lassen.

Nun gut, die beiden Kadazz tun ihr Bestes, um sich trotzdem zu amüsieren. Endlich, nach einigen Stunden, taucht eine Gruppe männlicher zigeunerhafter Wesen in der Quartierbeiz auf. Und weil zigeunerhafte Wesen zwar sehr wohl Kadazz-konform sind, die Kadazz-Regeln aber selbst nicht kennen, setzen sie sich demonstrativ in die Nähe der beiden Abtrünnigen und tun ihr Interesse ziemlich unverhohlen kund.

Endlich nähert sich einer aus der Gruppe – der mit den wilden kohleschwarzen Augen – einer der beiden Kadazz, setzt sich auf ihre Sofalehne und setzt zum Sprechen an.

Die Kadazz denkt: Jetzt wird er mit heiserer Stimme und schwerem Akzent etwas richtig Verruchtes, Unsittliches, Abenteuerliches sagen, sodass alle anwesenden Kadazz erröten, ohne die geflüsterten Worte überhaupt gehört zu haben. Die Welt wird für ein paar Sekunden stillstehen, während wir beide in diese Szene aus „The Man Who Cried“ versetzt werden; Johnny Depp und Christina Ricci am Lagerfeuer verkörpern.

Der Mann sagt: „Hesch mer es Visitechärtli?“

Plötzlich sind die beiden Kadazz sehr müde und nüchtern. Es ist Zeit, das Experiment abzubrechen und nach Hause zu gehen.

2009-10-22

Eine Umfrage: Ist Kunst....

Von unkultur @ 22:14 [ Kluturbanause ]
(Wähle 5 Wörter)

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Ablenkungsmanöver?
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Selbstverwirklichung?
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Brotjob?
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Winkel?
Horizont?
Fata Morgana?
Herzensbildung?
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Verständigung?
Babylon?
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Sublimation?
Druckmittel?
Antidepressivum?
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Festung?
Fessel?
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Integration?
Ideal?
Vermessenheit?
Götterfunke?
Opium?
Verführung?
Selbsttäuschung?
Psychohygiene?
Produkt der Langeweile?
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Erhabenheit?
Degenerierung?
Spielzeug?
Spiegel?
Whistleblower?
Notfallapotheke?
Müllhalde?
Mastferkel?
Masturbation?
Mutation?
Wunder?
Inspiration?
Banalität?
Trost?
Übersetzung?
Darstellung?
Verstellung?
Verwandlung?
Trugbild?
Fundament?
Wirbelsäule?
Sahnehäubchen?
Luftschloss?
Trend?
Laune?
Koketterie?
Eitelkeit?
Verbohrtheit?
Bünzlitum?
Verzweiflung?
Liebe zur Menschheit?
Anti-Natur?
Zufall?
Kommerz?
Wertanlage?
Allgemeingut?
Gabe?
Erhaltung?
Erneuerung?
Revolution?
Reife?
Unreife?
Ersatzreifen?
Balzritual?
Grundbedürfnis?
Auswuchs?
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Perfektion?
Schönheit?
Künstlichkeit?
Authentizität?
Sinnlichkeit?
Wegweiser?
Seismograph?
Navigationsinstrument?
Zeitkapsel?
Investition?
Verschwendung?
Konsumgut?
Errungenschaft?
Verderbtheit?
Sinnspender?
Unkultur?