Ich weiss, dass es unter meinen Mitbloggern jetzt hip ist, 1.August-Reden auf ihren Blogs zu halten, aber ich tue das konsequenterweise nicht. Die Schweiz ist mir zwar als Land recht sympathisch, was ich bestimmt auch schon erwähnt habe, aber mit diesen komischen Nationalsymbolen, die man jeweils am 1. August und zu ähnlichen Gelegenheiten hervorholt, kann ich mich einfach nicht anfreunden.
Nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen Nationalsymbole hätte, im Gegenteil! Es gibt da zum Beispiel ein verkanntes Nationalsymbol, für das ich an dieser Stelle glatt ein flammendes Plädoyer halten würde, hätte ich mich nicht bereits gegen eine Rede entschieden. Verehrte YUSSP*, würde ich sagen, ich fordere mehr Anerkennung für den Gauch**! Der Gauch ist vielleicht ein unscheinbareres Tier als der stolze Adler oder der mächtige Bär, die wir so gern in unsere Wappen setzen – aber entspricht er unserem Nationalcharakter nicht viel eher? Etwas träge, kompakt und scheinbar stoisch, reagiert er lange nicht auf äussere Reize. Bis er unvermittelt mit einer unübersehbaren – im Fall des Gauchs korrekter
unüberriechbaren – Attacke auf sich aufmerksam macht. Ja, ich fordere mehr Respekt für unsere Gäuche***!
Und das wäre erst der Anfang meiner denkwürdigen Ansprache. Aber wie gesagt, ich bleibe konsequent und verzichte.
Übrigens, ich mag den 1. August, weil das kulturelle Angebot abseits der unsäglichen Reden gar nicht übel ist. Z.B.
„Motherland Calling from Fridji“ gleich um die Ecke (nix wie hin, hat schon angefangen!), oder, um die andere Ecke,
Dee Day Dub von „Stadtsommer“ in der Bäcki (schon wieder mit
Brandy Butler – ein Vergnügen, ihr zuzuhören!).
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*Young urban sexy Swiss people. Das weiss doch jeder...
**Offenbar bedeutet dieses Wort in Deutschland:
Kuckuck (veraltet),
Narr oder
Geck,
Spanische Fliege. Die
Spanische Fliege kommt unserem schweizerischen
Gauch, dem „Stinkkäfer“, am nächsten, sieht aber etwas anders aus.
***Gemäss Duden ist sowohl die Pluralform
Gauche als auch das poetisch
Gäuche zulässig.