2008-05-30

Wenn die wüssten…

Von unkultur @ 00:11 [ Musik ]
Heute habe ich den Test „Welcher Musiktyp sind Sie?“ vom Institut für Musik-
physiologie und Musikermedizin gemacht. Resultat:

„Sie gehören am ehesten zum Typ „Reflektiert komplexe Musik“. Die Musikhörer mit Ihrem Musikgeschmack sind diesen Studien nach eher offen für neue Erfahrungen und weniger an gesellschaftliche Hierarchien angepasst. „
Wenn die sähen, was alles auf meinem iPod lagert…

2008-05-24

Wie man erfolgreich Kunden vergrault

Von unkultur @ 17:03 [ Erdungsgarnitur ]
unkultur betritt mit drei grossen Taschen am Arm Company’s an der Schifflände.

Verkäuferin 1 (gekünstelt lächelnd): Da haben Sie aber tüchtig eingekauft heute!

unkultur (gequält lächelnd): Ja.

Verkäuferin 1: Was haben Sie denn Schönes gekauft?

unkultur (entnervt nach der perfekten Antwort suchend, die ihr 3 Minuten später einfallen wird): Was Schönes eben.

Verkäuferin 1 (schnippisch): Das nehme ich an, wenn Sie es gekauft haben.

unkultur (glaubt ihren Ohren nicht zu trauen, wirft Verkäuferin 1 einen vernichtenden Blick zu, aber die Frau scheint einen Panzer zu tragen).

unkultur geht in den hinteren Teil des Ladens und zupft ein Kleid aus dem Regal hervor. Verkäuferin 2 kommt so nah, dass unkultur ihr aufdringliches Parfüm riechen kann.

Verkäuferin 2: Das würde Dir bestimmt gut stehen!

unkultur: Ich glaube nicht.

Verkäuferin 2: (mit schriller Stimme): Doch doch, bestimmt, Du musst es halt probieren!


unkultur macht auf dem Absatz kehrt, rauscht an den beiden Verkäuferinnen vorbei aus dem Laden hinaus. Es wäre interessant zu erfahren, wie viele Kundinnen sie an diesem Nachmittag erfolgreich vergrault haben.

2008-05-22

Gestern an der Bahnhofstrasse verhaftet – heute an der Langstrasse quietschfidel

Von unkultur @ 23:57 [ Musik ]
Eigentlich wollte die Band „Mother Tongue“ aus New Orleans nur dem Regisseur Peter Entell helfen, auf seinen Dokumentarfilm „Shake The Devil Off“ aufmerksam zu machen, in dem die Band mitspielt (ab morgen im Riffraff). Vielleicht wollte sie auch die bierernste Stimmung an der Zürcher Bahnhofstrasse etwas auflockern, als sie sich spontan zu einem Gig entschloss. Jedenfalls – so erzählt Peter Entell erschüttert – warteten zwei Stadtpolizisten zwar höflich, bis das Lied zu Ende war, führten dann aber die drei Musikerinnen humorlos ab.

Nach dem kurzen Intermezzo auf dem Polizeiposten hatten die Musikerinnen bestimmt ein äusserst charmantes Bild von Zürich gewonnen. Davon liessen sie sich allerdings heute in der Bar des Hotels Rothaus nichts anmerken. Über zwei Stunden lang spielten sie dort vor eher spärlichem Publikum, das mit wachsender Begeisterung zuhörte. Im Publikum war auch die in Zürich ansässige Sängerin Brandy Butler, die sich zu guter Letzt zu einem Song mit der Band überreden liess. Die Polizei blieb einen Besuch schuldig – vermutlich ist ihr Fokus an der Langstrasse etwas anders ausgerichtet.

2008-05-17

Schaudertexte im Internet – Entdeckung Nr. 2

Von unkultur @ 15:33 [ Dada (im Alltag) ]
„ Seit 2004 er-lebe ich als Gastronomin täglich wissbegierig die individuellste Schule der Menschen und ihres Wesens. Texte und Bilder sind der Spiegel dieser Ein-Drücke in Bezug zu mir und meinem Leben. Dabei liebe ich das Spiel mit Worten und den Blick hinter die „Wesen“-Kulisse. Mein Glaube sowie eine ebenso tiefe Liebe den Menschen gegenüber sind mir dabei jederzeit liebevolle Weg-Weiser. “

unkultur jubelt. Ein Gruselfilm ist ein Klacks dagegen!

Untrügliche Symptome

Von unkultur @ 13:35 [ Erdungsgarnitur ]
unkultur macht Maniküre. unkultur saugt Staub. Sogar auf den Büchern. unkultur geht die Zeitung holen, vergisst aber das Portemonnaie, steigt wieder fünf Stöcke hoch und nochmals runter. unkultur geht zum Optiker. unkultur schreibt eine E-Mail, die sie seit drei Monaten schreiben will. unkultur näht einen Knopf wieder an, den sie schon vor sechs Monaten wieder annähen wollte. unkultur plaudert mit dem Nachbarn. unkultur zieht sogar kurz in Erwägung, Sport zu treiben. Und das alles an einem einzigen Vormittag.

Eine Reihe von untrüglichen, alarmierenden Zeichen dafür, dass unkultur unter etwas leidet: Schreibstau. Sie muss einen Text abliefern, und die Deadline rückt näher. Die Zeit zwischen dem für das Schreiben reservierten Vormittag und der Verabredung am Abend schrumpft immer stärker. Erst wenn unkultur in Betracht ziehen muss, die Verabredung abzusagen und morgen auch noch den Kreislauf 4+5 zu verpassen, wird sie sich endlich an die Arbeit machen.

2008-05-12

Ich bin weder Jägerin noch Beute und habe solche Artikel satt!

Von unkultur @ 11:05 [ Erdungsgarnitur ]
unkultur ist bekanntlich pro Strichpunkt und contra Ausrufezeichen – speziell contra Ausrufezeichen in Titeln. Aber hinter diesen Titel gehört ein Ausrufezeichen.

Es ist nicht so, dass das Interview von Anuschka Roshani im TagiMagi mit dem grauenhaften Titel „Frauen haben das falsche Beuteschema“ das Schlimmste war, was ich in letzter Zeit zu dem Thema gelesen habe. Im Gegenteil, der interviewte Stefan Woinoff sagt ein paar Dinge, die gar nicht so dumm sind.

Aber die Menge der anmassenden, dümmlichen, halbschlauen, gedankenlosen und mitläuferischen Artikel und Bücher zum Thema „Mann – Frau – Beute – Jäger“ berechtigt mich zu einem masslos ungerechten Urteil. Es berechtigt mich dazu, all diesen Schwachsinn in einen Topf zu werfen. Ich will keine solchen Artikel mehr sehen! Das ist ja schlimmer, als von Sektenanhängern bedrängt oder von Marktforschungsinstituten drangsaliert zu werden!

Ich bin zufällig eine Frau. Na und? Zufällig bin ich körperlich etwas anders als die Männer und vielleicht seelisch etwas anders gewickelt als viele Männer, aber zuallererst mal bin ich ein MENSCH, dann vielleicht privilegierte weisse Mitteleuropäerin, aus protestantischer Mittelschichtfamilie, überhaupt „mittel“ in vielerlei Hinsicht, Wahl-Bergkind, überzeugte Stadtbewohnerin, Atheistin, Internet-Freak, überzeugte und masslose Verschlingerin von Büchern und schwarzer Schokolade – und irgendwann, nach einer langen Liste von Attributen, bin ich eine Frau und kein Mann.

Ich bin weder Beute noch Jägerin, ich bin weder neurotisch noch langweilig, ich bin weder typisch noch atypisch. Ich will nicht mehr lesen „die Frauen sind…“, „die Männer sind…“. Ich will nichts mehr über Höhlenbewohner hören. Wir haben die Höhlen, das Mittelalter, die Aufklärung und den zweiten Weltkrieg hinter uns. Wir haben uns mit anderen Dingen herumzuschlagen.

Alles, was ich gut können will, kann ich genauso gut wie ein Mann, wenn nicht besser; ich will das aber nicht dauernd feststellen müssen. Es ist eine Selbstverständlichkeit. Falls ich – was höchst selten vorkommt – das Gefühl habe, ich wäre auf Grund meines Geschlechts benachteiligt, dann kämpfe ich dagegen.

Die meisten Männer, die ich kenne, sind weder Machos noch weichgespülte Männer und haben auch keinen psychischen Knacks, weil sie mit ihrer ach so schwierigen Rolle des „neuen Mannes“ nicht zurechtkommen würden. Es gibt keinen neuen Mann; es gibt nur einen Mann, der aus den aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen das Beste macht, und so war es schon immer.

Die meisten Frauen, die ich kenne, haben es schwer im Leben – wie auch die Männer –, unter anderem deshalb, weil so viele Anforderungen an sie gestellt werden. Und weil sie selbst so viele Anforderungen an sich stellen. Hatten wir es jemals nicht grundsätzlich schwer im Leben? Waren wir jemals nicht überfordert? Jede Generation hat ihre Überforderung. In unserer Zeit sind es halt die vielen verschiedenen Rollen, die wir uns abverlangen.

Die meisten Frauen, die ich kenne, kommen ganz gut zurecht damit, Karriefrau und Partnerin und was auch immer zu sein, ohne darüber gleich in eine Krise zu stürzen. Schon immer hatten alle Menschen männliche und weibliche Anteile in sich, nur wurde noch nie so viel Aufhebens darum gemacht. Wir müssen heute um die Zukunft der Menschheit auf diesem gebeutelten Planeten bangen. Wir stehen einer grossen Ungewissheit gegenüber angesichts der nächsten Völkerwanderung. Was kümmert uns da die banale und nichtige Frage, ob wir genau die richtige Balance zwischen „männlich“ und „weiblich“ hinkriegen?

2008-05-09

So schauderhaft, dass es fast ein Genuss ist

Von unkultur @ 22:26 [ Dada (im Alltag) ]
Entdeckt auf der Website einer selbsternannten „PR-Beraterin und Moderatorin“:

dank ihrer jahrelangen erfahrung schafft sie es, den richtigen tonfall für jeden anlass zu finden: von locker, frisch und unterhaltsam über sachlich und einfühlsam – auf jeden fall immer mit der nötigen seriosität.

Die Website ist nicht nur sprachlich eine wahre Fundgrube an Schauderhaftem: Es gibt massenhaft Fotos mit „Wolken-Effekt“ und einen Besucherzähler. Himmlisch!

2008-05-05

Die Gedanken sind lesbar

Von unkultur @ 23:29 [ Erdungsgarnitur ]
Bild: pixelio, Romy2004


unkultur: In Solothurn bin ich der Künstlerin Soundso begegnet.

unkulturs kritischer Kollege K.: Die Soundso. Soso… Also ich finde…

unkultur (unterbricht ihn): Ich habe neulich einen Kurs in Gedankenlesen belegt. Ich weiss, was Du jetzt gerade denkst.

unkulturs kritischer Kollege K.: Und was denke ich?

unkultur: Die Soundso, die ist so… (blickt ihn mit gerunzelter Stirn forschend an) … die ist so maniriert.

unkulturs kritischer Kollege K. (in totaler Verblüffung): Wie hast Du das erraten?

unkultur: Nun ja, Du sagst das jedes Mal, wenn die Sprache auf die Soundso kommt.

2008-05-04

Ungefilterte Gedankengänge während eines Konzerts

Von unkultur @ 01:02 [ Musik ]
Ich hoffe nur, das wird nicht allzu kitschig. Mainstream ist er, das ist klar, darauf bin ich seelisch vorbereitet. […] Der sieht halt unverschämt gut aus, da hat er schon mal einen Bonus. Charme hat er auch eine ganze Lastwagenladung voll. Erinnert mich irgendwie an einen laut schnurrenden Kater, der sich in einem Sessel in der Sonne räkelt. […] OK, das ist der (kitschige) Song, den ich schon gehört habe. Ich liess mir sagen, der laufe dauernd im Radio, aber ich höre ja kein Radio. […] Nun gut, der Mann kann singen. Und zwar ziemlich überdurchschnittlich verdammt gut. Kein einziger unsicherer Ton bisher. […] Der Song jetzt gerade erinnert mich an Lenny Kravitz. Noch ein bisschen rockiger, und das kommt gut. […] Sehr angenehm, vor mir stehen lauter Frauen, die inkl. Absätzen nicht grösser als 1.65 sind. Denen kann ich ohne Anstrengung über die Köpfe hinwegschauen. […] Diese Michael-Jackson-Justin-Timberlake-Nummer muss nun wirklich nicht sein. Auch wenn ich gestehen muss, dass er auch in dieser Stimmlage sehr sicher wirkt. […] Dieses eine Bandmitglied, links von ihm, der esoterische Allrounder mit der Kochtopf-Frisur, der scheint ja total in Ekstase zu sein. Ich persönlich würde den etwas weiter hinten auf der Bühne platzieren. […] Auch mit der Song-Dramaturgie hat er es ziemlich gut im Griff. Sogar wenn er, wie jetzt, allein auf der Bühne sitzt. Wenn die Songs nur etwas mehr Ecken und Kanten hätten… […] Schon die fünfte Zugabe – welch rührender Enthusiasmus! Ich muss jetzt los, in der Kanzlei gibt’s auch noch Konzerte.


> kulturblog: Live-Gedankenstrom während einer Theateraufführung