2008-04-27

Hilfe, wir brauchen einen Übersetzer

Von unkultur @ 20:34 [ Erdungsgarnitur ]
(Handy klingelt)

unkultur (schläfrig): Hallo?

Bekannter R. (atemlos, sehr schnell): Du, ich möchte dieses Dingsbums sehen am Dienstag, "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod", das ist irgendwo an dem Abend, aber da war nur WWW angegeben!

unkultur (verwirrt): Sorry, was meinst Du?

Bekannter R. (eine Spur langsamer): Dieser Mann, wie heisst er schon wieder, der "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" geschrieben hat, wird irgendwo in Zürich lesen, aber ich weiss nicht wo. Am Dienstag. Ich muss da hin, und da geben sie nur WWW an.

unkultur: OK, die haben auf dem Inserat eine Internet-Adresse angegeben, und Du möchtest, dass ich für Dich nachschaue, wo es stattfinden wird? Was für eine Internetadresse war es denn?

Bekannter R.: Weiss ich nicht, da stand einfach WWW Irgendetwas. Ich habe nämlich kein WWW.

unkultur: Ich weiss... Moment, ich google das rasch. - Also, das findet am Dienstagabend im Volkshaus statt; man könnte via starticket Tickets kaufen, aber es hat leider keine mehr.

Bekannter R. (seufzt erleichtert): OK, dann muss ich nicht hingehen. Ich habe nämlich gar keine Lust; wäre nur S. zuliebe hingegangen.

2008-04-24

Dem Individuum den Wert von Kunst und Kultur ins Bewusstsein bringen

Von unkultur @ 22:58 [ Kulturpolitik ]
Ich möchte hier eine interessante Diskussion wieder aufgreifen, die Christian Henner-Fehr auf seinem Kulturmanagement-Blog vor zwei Wochen ins Leben rief. Er beschrieb die Entwicklung, dass Kunst- und Kultureinrichtungen in den letzten Jahren immer stärker nach unternehmerischen Modellen stromlinienförmig und markttauglich gemacht wurden. Dieses System habe aber versagt. Nun sei klar, dass Kunst und Kultur nicht einfach zur Ware getrimmt werden können. Sie seien viel eher eine Gabe an die Gesellschaft, die diese schätzen und mit einem Gegengeschenk entlöhnen sollte. Die Frage: Wie kann man erreichen, dass die Gesellschaft das versteht?

In der Folge diskutierten wir, dass Kunst/Kultur heute wie eine natürliche Ressource für selbstverständlich genommen würde. Im Umweltschutz gäbe es Kampagnen – weshalb nicht auch für Kunst/Kultur? Prominente und glaubwürdige Menschen müssten sich dafür einsetzen. Nur: Viele von diesen sind zwar Kulturliebhaber, schätzen aber gerade das Private, etwas Elitäre daran.

Ich warnte davor, die „Kunst-Konsumenten“ einfach als schlecht abzustempeln und die Kunst/Kultur in einen allzu scharfen Gegensatz um „Konsumismus“ zu setzen. Christian Henner-Fehr war einverstanden und ergänzte, dass man den Leuten auch nicht vorschreiben dürfe, wie sie Kunst/Kultur einstufen sollten; wieviel sie ihnen bedeute. Jeder müsse das für sich selbst erkennen.

Wie verhilft man zu schnellerer Erkenntnis?

Ich möchte aber nicht ein halbes Jahrhundert warten, bis die Menschen erkennen, was Kunst/Kultur für sie bedeutet. Wie könnte man nachhelfen? Ich fange mal an mit dem Brainstormen:

Denkanstösse geben. An kulturellen Orten/Anlässen einfache, aber auffällige Fragen platzieren (Plakat? Persönliches Gespräch? Kurze Ansprache vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung? Aufdruck auf Eintrittskarte?).

Fragen:
- Wieviel bezahlen Sie für ein Abendessen in einem Restaurant?
- Wieviel Parkgebühr werden Sie heute Abend bezahlen?
- Bzw. was kostete Ihr SBB-Billett von St. Gallen nach Zürich?
- Wieviel geben Sie heute aus für Kultur?
- Vergleichen Sie die Preise. Ist Ihnen die Kultur weniger wert als das Abendessen? Die Parkgebühr? Das SBB-Billett?

Oder:
- Wissen Sie, ob die kulturelle Einrichtung, die Sie gerade besuchen, subventioniert ist?
- Wenn ja, was denken Sie, verdient ein Kulturschaffender, der Vollzeit arbeitet, pro Monat?
- Wenn nein, was denken Sie, verdient ein Kulturschaffender, der Vollzeit arbeitet, pro Monat? (Finden Sie es hier heraus: www.kulturwert.ch)
- Finden Sie, dass auch Kunst, die nicht subventioniert ist, wichtig ist?

Oder:
- Wenn Sie wählen müssten: Nie wieder ein Konzert besuchen oder nie wieder Unterhaltungssendungen im Fernsehen schauen?
- Wenn Sie wählen müssten: Nie wieder einen Roman lesen oder nie wieder in einem Restaurant essen gehen?
- Wenn Sie wählen müssten: Nie wieder eine Kunstausstellung besuchen oder nie wieder zu einer Zirkusaufführung gehen?
- Wenn Sie wählen müssten: Nie wieder im RiffRaff einen Film schauen oder nie wieder mit Kreditkarte bezahlen?

Ich bin gespannt auf weitere Ideen!


> Der konträre zu meinem Grosskampagnen-Ansatz: Die Grassroots-Methode (Kulturmanagement-Blog)

Die Unentwegten

Von unkultur @ 00:36 [ Literatur/Sprache ]
Kollege Beta fasste es treffend zusammen: „Ziemlich wässrig“ war die gestrige Bookparade. Dabei wurde noch von trügerisch strahlendem Wetter belohnt, wer bereits am Nachmittag zur Gemüsebrücke spazierte. Dort konnte man beispielsweise ein schräges modernes Schneewittchen-Theaterstück mitverfolgen, vorgetragen von Tania Kummer und Lea Gottheil, passend gebettet unter Daunendecken und Baldachin.

Simon Chen und Lara Stoll taten alles, um uns zu motivieren, und sie waren wie immer brillant. Trotzdem: Nach dem Umzug waren leider einige der Teilnehmenden – darunter unkultur – so erbärmlich durchnässt, dass sie schweren Herzens auf den Rest der Veranstaltung verzichten und stattdessen schlotternd in die Badewanne kriechen mussten. Was man nicht alles tut für DAS BUCH!

2008-04-17

Stans und Cully statt Montreux

Von unkultur @ 20:55 [ Musik ]
Selbstverständlich klickte ich heute – wie jedes Jahr – pünktlich zur Bekanntgabe des vollen Programms auf die Website des Montreux Jazz Festival. In den Startlöchern, den Geist angespannt, war ich darauf vorbereitet, meine Entscheide blitzschnell zu treffen und sofort Tickets online zu kaufen.

Aber nichts wurde daraus. Im Programm hat es durchaus ein paar Konzerte, die ich besuchen möchte. Aber selbst bei den günstigsten Konzerten Stehplätze für 90 Franken? Ich bin nicht knauserig: Ein perfekt gelungenes Konzert von einem tollen Musiker bei gutem Wetter in Montreux wäre mir das Geld wert, inkl. Kosten für die Zugfahrt und allfällige Übernachtung. Aber wie gross ist die Chance, dass alle Faktoren stimmen werden? – Eben.

Ich bin froh, dass ich dieses Jahr die Musikfestivals in Stans und Cully besucht habe. Sie boten mir in einem kleineren, familiären Rahmen; etwas weniger berühmte und doch hochkarätige Künstler, die mich überraschten. In Montreux war ich in den letzten paar Jahren immer bei strömendem Regen – in Stans und Cully war das Wetter schön. Weniger Stress, weniger Wartezeiten, weniger verkrampfte Leute. Ich bin bekehrt.

2008-04-14

Samples – ist Ton oder Text präziser?

Von unkultur @ 00:22 [ Musik ]
Ein Bekannter meinte neulich: Wenn er sich via die Website von Veranstaltern über Konzerte informiere und dort auch gleich den Entscheid treffe, ein Konzert zu besuchen – oder eben nicht –, dann wolle er nicht nur eine Beschreibung, sondern auch ein Sound Sample. Und zwar auf der Site des Veranstalters selbst; ein Link zur Homepage oder Myspace-Site des Musikers sei ihm bereits ein Klick zuviel.

Im ersten Moment leuchtet das ein. Aber dann überlege ich mir: Ein Sound Sample ist ein kleiner Ausschnitt aus einem einzigen Stück. Wie gross ist die Chance, dass das Sound Sample gerade nicht das widerspiegelt, was vielen potentiellen Hörern an dieser Band besonders gefallen würde? Einige wenige, präzise Worte können den Charakter eines Musikers oder einer Band besser umreissen und eine Vielseitigkeit abbilden, die man erst nach dem Hören von mehreren Songs mitbekommen würde.

2008-04-10

Kultur-Fördergelder: Die Transparenz schlägt über die Stränge

Von unkultur @ 22:22 [ Kulturpolitik ]
Ivan Katz auf Huffington Post informiert uns, dass kulturelle Organisationen, die beim „British Arts Council“ Fördergelder beantragen, neuerdings die Zusammensetzung ihres Vorstands nach sexueller Orientierung aufschlüsseln müssen.

Der Autor fasst es wunderbar zusammen: "this is political correctness gone mad". Unterhaltsam wäre es allerdings schon, wenn die „Aufschlüsselungspflicht“ auch für Firmen und ihre Verwaltungsräte gelten würde.

2008-04-06

Angestrengt unangestrengt

Von unkultur @ 16:07 [ Literatur/Sprache ]
unkulturs Unwort des Tages: unangestrengt.

Schon seit einiger Zeit geistert das Wort „unaufgeregt“ durch die Medienlandschaft. .ch erhob Anspruch darauf und versinkt inzwischen in der unaufgeregten Nichtssagendheit.

Der Cousin von „unaufgeregt“, „unangestrengt“, wird in letzter Zeit auch gerne in Texte eingestreut. In Michèle Rotens ansonsten amüsanter Fotoreportage zum Langstrassen-Stil bemüht sie das Wort gleich zweimal; einmal wünscht eine der Portraitierten selbst, unangestrengt zu wirken. Was für eine Anstrengung, das Unangestrengt-Wirken!

2008-04-05

Was, Du gehst am Samstag noch an den Flohmarkt am Helvetiaplatz?

Von unkultur @ 12:34 [ Kluturbanause ]
Sorry, aber das ist total out. Neuerdings geht man am Samstag an den Kunst-Edelbazar in der Galerie b-146! Das Prinzip ist dasselbe wie beim Flohmi: Jeder kann verkaufen (mit Voranmeldung), und jeder kann kaufen. Der begrenzte Raum und das aufmerk-
same Auge der Galeristen bei der Vorauswahl verhindern ein Kunstszene-artiges Erlebnis.

> artEXchange-days, 19. & 26. April 2008, Galerie b-146, Hürlimann-Areal.