Ich möchte hier eine
interessante Diskussion wieder aufgreifen, die Christian Henner-Fehr auf seinem
Kulturmanagement-Blog vor zwei Wochen ins Leben rief. Er beschrieb die Entwicklung, dass Kunst- und Kultureinrichtungen in den letzten Jahren immer stärker nach unternehmerischen Modellen stromlinienförmig und markttauglich gemacht wurden. Dieses System habe aber versagt. Nun sei klar, dass Kunst und Kultur nicht einfach zur Ware getrimmt werden können. Sie seien viel eher eine
Gabe an die Gesellschaft, die diese schätzen und mit einem Gegengeschenk entlöhnen sollte. Die Frage: Wie kann man erreichen, dass die Gesellschaft das versteht?
In der Folge diskutierten wir, dass Kunst/Kultur heute wie eine natürliche Ressource für selbstverständlich genommen würde. Im Umweltschutz gäbe es Kampagnen – weshalb nicht auch für Kunst/Kultur? Prominente und glaubwürdige Menschen müssten sich dafür einsetzen. Nur: Viele von diesen sind zwar Kulturliebhaber, schätzen aber gerade das Private, etwas Elitäre daran.
Ich warnte davor, die „Kunst-Konsumenten“ einfach als schlecht abzustempeln und die Kunst/Kultur in einen allzu scharfen Gegensatz um „Konsumismus“ zu setzen. Christian Henner-Fehr war einverstanden und ergänzte, dass man den Leuten auch nicht vorschreiben dürfe, wie sie Kunst/Kultur einstufen sollten; wieviel sie ihnen bedeute. Jeder müsse das für sich selbst erkennen.
Wie verhilft man zu schnellerer Erkenntnis?
Ich möchte aber nicht ein halbes Jahrhundert warten, bis die Menschen erkennen, was Kunst/Kultur für sie bedeutet. Wie könnte man nachhelfen? Ich fange mal an mit dem Brainstormen:
Denkanstösse geben. An kulturellen Orten/Anlässen einfache, aber auffällige Fragen platzieren (Plakat? Persönliches Gespräch? Kurze Ansprache vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung? Aufdruck auf Eintrittskarte?).
Fragen:
- Wieviel bezahlen Sie für ein Abendessen in einem Restaurant?
- Wieviel Parkgebühr werden Sie heute Abend bezahlen?
- Bzw. was kostete Ihr SBB-Billett von St. Gallen nach Zürich?
- Wieviel geben Sie heute aus für Kultur?
- Vergleichen Sie die Preise. Ist Ihnen die Kultur weniger wert als das Abendessen? Die Parkgebühr? Das SBB-Billett?
Oder:
- Wissen Sie, ob die kulturelle Einrichtung, die Sie gerade besuchen, subventioniert ist?
- Wenn ja, was denken Sie, verdient ein Kulturschaffender, der Vollzeit arbeitet, pro Monat?
- Wenn nein, was denken Sie, verdient ein Kulturschaffender, der Vollzeit arbeitet, pro Monat? (Finden Sie es hier heraus: www.kulturwert.ch)
- Finden Sie, dass auch Kunst, die nicht subventioniert ist, wichtig ist?
Oder:
- Wenn Sie wählen müssten: Nie wieder ein Konzert besuchen oder nie wieder Unterhaltungssendungen im Fernsehen schauen?
- Wenn Sie wählen müssten: Nie wieder einen Roman lesen oder nie wieder in einem Restaurant essen gehen?
- Wenn Sie wählen müssten: Nie wieder eine Kunstausstellung besuchen oder nie wieder zu einer Zirkusaufführung gehen?
- Wenn Sie wählen müssten: Nie wieder im RiffRaff einen Film schauen oder nie wieder mit Kreditkarte bezahlen?
Ich bin gespannt auf weitere Ideen!
> Der konträre zu meinem Grosskampagnen-Ansatz: Die Grassroots-Methode (Kulturmanagement-Blog)