Während ich dies am Schreiben bin, kaufe ich ein Album im iTunes Store:
Mike Ladd & Vijay Iyer, „In What Language?“. Ich habe einige Minuten mit Stöbern verbracht, mir ein paar Fetzen Musik und Spoken Word angehört, das Profil von Mike Ladd überflogen, und mir war klar: Das kaufe ich. Während des Lesens/ Hörens hat mein Gehirn einzelne Wörter und Klänge herausgefiltert, zusammengesetzt und in eine ganz bestimmte Kategorie abgelegt, die unter anderem die Kennzeichnung „gefällt mir/mein Stil“ trägt. Ich weiss schon jetzt, dass dies ein Album ist, das ich mir sehr oft anhören werde.
Früher hätte ich für diese Entscheidung viel länger gebraucht. Ich hätte mehrere Artikel über
Mike Ladd gelesen; irgendwann wäre ich in einen CD-Laden gegangen und hätte mir mehrere Songs/Stücke ausführlich angehört.
Man könnte mein Vorgehen beim Auswählen von Musik mit einem Dienst wie
pandora.com,
lastfm.de oder auch
Amazon vergleichen. Aber das ursprüngliche Denkschema, das dahinterliegt, findet sich bei Google.
Irgendwer hat mal geschrieben, wir würden heutzutage wie eine PowerPoint-Präsentation denken. Ich aber sage, wir funktionieren einen Teil unseres Gehirns zu einer Google-ähnlichen Maschine um: Wenn ich beispielsweise Musik suche, die mir gefällt, dann funktioniere ich, als wäre ich Google und irgendjemand würde verschiedene Suchbegriffe eingeben. Unzählige Begriffe treiben virtuell in meinem Gesichtsfeld herum; ich greife mir blitzschnell diejenigen heraus, die zum Gesuchten passen, sozusagen diejenigen mit einem „+“ vor dem Suchbegriff, dem kleinsten gemeinsamen Nenner.
Bedrohlich? Ich nehme es als Tatsache hin und versuche, es für mich zu nutzen. Früher war man schnell, wenn man gut querlesen konnte; heute verschlagwortet man Gehörtes, Gesehenes und Gelesenes noch viel schneller. Früher wandelte man durch Nachdenken Wörter in Assoziationen um; heute arbeitet man mit viel öfter mit den „unverdauten“ Wörtern.
Oberflächlich? – Vielleicht; aber glücklicherweise gibt es noch die Diskussion. Damit die anderen Diskussionsteilnehmer unsere Gedankengänge nachvollziehen können, müssen wir die Schlagwörter wieder in eine zusammenhängende Form bringen und sie verständlich formulieren. So ist die Gefahr gebannt, dass jeder von uns in seinem selbstgeschaffenen kleinen Google-Universum davondriftet.
> Mike Ladd tritt am 22. März mit Leo Tardin & Grand Pianoramax im Moods auf