Irgendwer beim
Kunsthaus Zürich – vielleicht ein externer Berater? vielleicht ein dynamischer neuer Marketingmensch? – hat sich gedacht: So, jetzt wollen wir mal ein bisschen junges Publikum reinholen. Er hat ein nettes kleines Inserat entwerfen lasen, das uns jetzt im „heute“ & Co. entgegenlächelt. Er hat gleich mehrere (Denk)fehler gemacht:
- Das Inserat ist krampfhaft auf jung gemacht. Ein gesichtsloser Superman mit gelbem T-Shirt, ok, meinetwegen. Aber was soll das phantasielose
ART4U? Das Irgendetwas4U wurde schon in Millionen Varianten durchgekaut – das weiss gerade die angesprochene Generation.
- Nehmen wir mal an, irgendjemand fühlt ich trotzdem angesprochen. Wie komme ich nun zu meinem tollen Abo? Auf
www.art4u.ch? Fehlalarm. Da gelange ich auf eine Website, zu der sich jeder Kommentar erübrigt.
- Wer jetzt zu unserem grossen Erstaunen noch nicht abgewinkt hat, tippt vielleicht die URL
www.kunsthaus.ch ein. Hier empfangen mich die gleichen Bilder auf schwarzem Hintergrund, die schon seit Jahren als völlig unnötige Einstiegsseite vorgeschaltet sind. Bis ich den gesuchten Mitgliederbeitrag für unter 25-Jährige finde, benötige ich sage und schreibe 15 Klicks! Wie wär’s mit einem Banner auf der Startseite?
- Das Inserat preist zudem tolle Ausstellungen wie
Europop,
Shifting Identities und
Rivoluzione! an. Ich finde sie auf der Website des Kunsthauses weder unter „Kunst entdecken“ noch unter „Vorschau“, sondern erst nach langem Suchen unter „Jahresprogramm“ in einem PDF. (Später stellt sich heraus, dass sie trotzdem unter „Vorschau“ sind, in einer Subnavigation, die so diskret ist, das man sie glatt übersieht). Und wo bitte ist das Atelier, wo ich selbst etwas gestalten kann?
Fazit: Gut gemeint, aber isoliert bringen solche Massnahmen nichts. Da muss etwas geändert werden, vom Internetauftritt über das Verhalten des Personals bis zur Grundeinstellung.