2007-09-30

Inspirationsquelle

Von unkultur @ 17:17 [ Erdungsgarnitur ]
        
traditionell                                            zeitgenössisch

2007-09-29

Vergeblich warteten wir gestern Abend…

Von unkultur @ 08:47 [ Poetry Slam/Spoken Word ]
…auf ein kanariengelbes Textfragment, das sich unvermittelt rhythmisch zur Decke hochschraubte. Oder so etwas Ähnliches. Vielleicht ist das zuviel verlangt vom schweizerischen U-20 Finale? – Nein, finde ich eigentlich nicht.

Nach viel Lauem gelang es erst dem letzten Auftretenden, Laurin "Reimking" Buser*, positiv zu überraschen. Er heimste dann auch verdientermassen den Pokal ein. Der Jungslammer erreichte ansatzweise das, was ich den ganzen Abend vermisst hatte.

Als Trostpflästerchen gab’s Bas Böttcher, der die Sprache wie immer mit lockerer Präzision jonglierte und manipulierte, und Lara Stoll, in deren Worten sich das Potenzial dazu schon deutlich manifestiert.

Und selbstverständlich überzeugte das Moderatorenduo auch diesmal und enthielt mir nicht diesen Song vor, bei dem mich jedes Mal schaudert, wenn aus dem Klangteppich die unheilschwangere Stimme mit Rilkes Worten anhebt: „Wer jetzt weint irgendwo in der Welt….“.

Die Schweiz hat diverse solide bis phänomenale Slam Poeten, die sich offenbar auch in Workshops um die Nachwuchsförderung bemühen. Trotzdem sieht es um den Nachwuchs momentan wenig hoffnungsvoll aus.



*auf dessen Myspace-Site Ackermann-Werbung erscheint – nicht gerade passend zum Image eines Slam Poeten ;-)

Volkstümliches (A) und (B)

Von unkultur @ 08:42 [ Standortvorteil ]
(A) wundere ich mich, dass die wackeren Verfechter der Volkskultur in ihren Blogs (z.B. im Volkskultur-Blog „Bodeständigi Choscht“) nie die Problematik ansprechen, dass „ihre“ Kultur, im konkreten Fall die Musik, von ausländerfeindlichen und menschenverachtenden Aktionen wie dem „Zottel-Game“ missbraucht wird.

(B) war ich froh festzustellen, dass die Dekoration im neuen südafrikanischen „Mama Africa“ am Escher-Wyss-Platz nur ein ganz kleines (erträgliches) Bisschen volkstümlich-verklärend war. Im Gegenteil, ich war positiv überrascht: Die hohe Halle durfte ihren industriellen Look behalten, bestückt mit geschmackvollem, einfachem Mobiliar und wenigen grossen Handwerkskunst-Objekten. Lediglich ein paar überflüssige Ziersäulen würde ich entfernen. Sowohl das Impala-Gulasch als auch der Strauss mit Sauerkirschen schmeckten vorzüglich.

2007-09-26

Weshalb Kulturlobbying von Kulturmanagern und nicht von Kulturschaffenden betrieben werden sollte

Von unkultur @ 15:19 [ Kulturpolitik ]
An dieser Stelle habe ich vor einigen Wochen die Frage gestellt, weshalb die Tätigkeit eines Kulturschaffenden unvereinbar mit derjenigen eines Politikers sein sollte. Mein Schluss damals: Die beiden Tätigkeiten wären theoretisch vereinbar, wie auch viele andere Berufe mit einer politischen Tätigkeit vereinbar sind. Inzwischen bin ich allerdings zur Einsicht gelangt, dass es besser wäre, wenn das Kulturlobbying Personen mit der Einstellung eines Kulturmanagers überlassen würde*. Weshalb?

Kulturschaffende, die sich ans Lobbying wagen, tun dies leider oft mit der Einstellung: „Die Politiker haben keinen Sinn für Kunst und Kultur; wir müssen ihnen beibringen, was Kunst und Kultur bedeuten, damit sie lernen, in unseren Massstäben zu denken.“ – Falsch! Versucht ein Bauer, der Politik macht, etwa die anderen Politiker dazu zu bewegen, wie er zu denken? Versucht das ein Lehrer?

Nein, das tun sie beide nicht. Wenn sie erfolgreich sein wollen, versuchen sie die Überzeugung zu verbreiten, dass ihre Branchen für unser Land in wirtschaftlicher und/oder gesellschaftlicher Hinsicht von grosser Bedeutung sind. Dabei ist es von Vorteil, wenn sie nicht verächtlich auf ihre Politikerkollegen herunterschauen, weil diese von der jeweiligen Materie weniger verstehen.

Leider ist dieses Hinabblicken – diese Verachtung für Menschen mit weniger Sinn für Kunst und Kultur – unter Kulturschaffenden gang und gäbe. Kulturschaffende, die Politik machen wollen, grenzen sich von „den Politikern“ ab, statt zu Politikern zu werden. Eine Sozialarbeiterin, ein Angestellter eines Reisebüros, ein Klempner oder eine Ärztin darf gerne nebenbei Politiker sein, aber ein Kulturschaffender? Das wäre doch unter seiner Würde.

Da in naher Zukunft keine Änderung dieser Einstellung absehbar ist, wäre es für die Anliegen der Kunst und Kultur besser, wenn sich Kulturmanager um das Politisieren und Lobbyieren kümmern würden. Ein guter Kulturmanager weiss nämlich, wie er sich für seine Anliegen verschiedenen Zielgruppen gegenüber einzusetzen hat. Er ist frei von Berührungsängsten und von falschem Standesdünkel. Sein Hauptanliegen ist es, die Menschen für etwas zu begeistern – aus welchen Motiven heraus sie begeistert sind, überlässt er ihnen. Er versucht nicht, ihnen vorzuschreiben, wie sie einen Sachverhalt wahrnehmen sollen – Hauptsache, sie nehmen ihn wahr und anerkennen seine Wichtigkeit.


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*Selbstverständlich ist es auch möglich, dass jemand Kulturschaffender und Kulturmanager in einer Person ist. Umso besser; für diese Personen stellt sich das Problem nicht.

2007-09-25

Geschlechtsspezifisches Bloggen?

Von unkultur @ 19:42 [ The Web ]
Es versteht sich von selbst, dass meine Beobachtungen allein nicht repräsentativ sein können, aber ganz subjektiv aus unkulturs Blickwinkel bietet sich folgendes Bild:*

Sehr viele Blogs, die von Frauen geführt werden, sind eine Art Online-Tagebücher. Viele davon sind mit Humor und Stil geschrieben; ich lese sie ab und zu, um mich zu entspannen und lache dabei manchmal herzhaft. Vielleicht ist das auch ihr Ziel. (Um ganz ehrlich zu sein, hat auch mein Blog an manchen Tagen diese Tendenz.)

Ich finde es allerdings schade, dass es nur so wenige Frauen gibt, die ihren Blog einem bestimmten Thema widmen, das bis zu einem gewissen Grad von ihren persönlichen Erlebnissen losgelöst ist. Selbstverständlich ist ein Blog persönlicher als beispielsweise journalistische Artikel es sind, aber trotzdem sollte sich ein Blog in meinen Augen von einem öffentlichen Seelenstriptease unterscheiden.

Umso mehr freue ich mich über die Ausnahmen: Da hätten wir beispielsweise „Priska und die Politik“, eine junge Nationalratskandidatin (habe ihren Blog bis jetzt nicht gelesen; aber offensichtlich geht’s um Politik), dann natürlich die gute alte PLAYLUST mit ihren kompromisslosen Street Style-Studien, und … dann fällt mir spontan grad niemand mehr ein, aber bestimmt tue ich jetzt einigen tollen Bloggerinnen Unrecht.

Woran das wohl liegen mag? Ist es immer noch so, dass Frauen tendenziell ihr Licht unter den Scheffel stellen und sich nicht trauen, sich als Expertin zu einem Thema zu äussern? Kann nicht sein! Ich kenne genügend selbstbewusste, wortgewandte Frauen, die in ihrem jeweiligen Fachgebiet sattelfest sind.

Ist Frauen am Internet generell der soziale Aspekt wichtiger als die Informations-
beschaffung? Das würde bedeuten, dass es in Foren mehr Frauen gäbe, dafür mehr Männer, die bloggen. Ich wünschte mir wirklich, es würde diese Unterschiede nicht geben, denn ich kann Geschlechts-Stereotypen nicht ausstehen.

Übrigens: Unter den Männern tritt dafür das Phänomen, dass sie irgendwelche News fast unkommentiert auf ihren Blog kopieren und der Welt verkünden, häufiger auf als unter Frauen. Ebenfalls nicht statistisch erwiesen, aber von unkultur beobachtet.


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*Lange Disclaimers mag ich in der Regel nicht, aber hier kommt einer, um die Anzahl der empörten feministischen Kommentare vielleicht zu halbieren:

(1) Ich glaube nicht, dass es im Denken und in den geistigen Fähigkeiten naturgegebene Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt – höchstens von der Gesellschaft „eingeimpfte“.
(2) Ich bin keine von den Frauen, die andere Frauen misstrauisch beäugen, ihnen ihren Erfolg missgönnen, Zickenkriege austragen. Im Gegenteil: Wenn ich mich beispielsweise bei den Wahlen zwischen einem männlichen und einem weiblichen Kandidaten entscheiden muss, und beide sind meines Wissens gleich qualifiziert und haben die „richtige“ Einstellung, dann wähle ich die Frau. - Ich wünschte mir deshalb, dass möglichst viele Bloggerinnen Erfolg hätten, respektiert und viel gelesen würden.


Nachtrag, 26.9.: Ich distanziere mich vom Blog-Eintrag auf Die Blogdenunzianten, der sich auf den vorliegenden Eintrag von mir bezieht, sich aber im Ton gewaltig vergriffen hat.

Noch mehr Spoetry (inspiriert von Hugo Ball)

Von unkultur @ 14:12 [ Dada (im Alltag) ]
Während ich auf die versprochene Erleuchtungshilfe zum Thema World Music von Beta warte, kann ich genauso gut etwas Spoetry zum Besten geben.


Insatiable Mutasin Guharay

snoijuus snonimed snoisaus snolouv

saophong bunk delafue

bourguiba bourignian

itic itiabias gnidron

ppatreib evretmea evregdaar

rutalkne ruragald ruma

leonid koyuncu

ilmari hopps

tazfa thonbon tsurusia tsheihre

uekawiwi!

johnson once and forever

2007-09-24

Oh weh! (Nachtrag zu den nulu-Reflektionen)

Von unkultur @ 22:44 [ Erdungsgarnitur ]
Da nähert sich uns wieder mal eine Modekatastrophe. Ich hatte die nulu-Kampagne für einen Ausrutscher gehalten, aber dem ist keineswegs so: Heute gehe ich nichtsahnend an einem H&M-Plakat vorbei. (Nein, ich kaufe nicht bei H&M ein, aber ein solches Riesenplakat kann niemand ignorieren). Und was muss ich da erblicken? Eine Frau, mit derjenigen auf dem nulu-Plakat praktisch identisch, mit dem kleinen Unterschied, dass sie ihr Haar offen trägt: Graue Strickjacke – sorry, Cardigan – über grauen Klamotten. Das Ganze wird unterstrichen durch einen lethargischen Gesichtsausdruck und diese „Smokey Eyes“, die sie ungefähr 20 Jahre älter machen.

Eine weiteres modisches Desaster hat uns erreicht. Gottseidank gibt es noch Labels wie Custo Barcelona. Nicht, dass ich mir ihre Kleider leisten könnte*, aber sie inspirieren mich. Und wenn alle Stricke bzw. Strickjacken reissen, gibt’s immer noch die Secondhand Shops.


*ähm, ausser in den aller-äussersten Ausnahmen…

Kreativenhasser? Ein Fünkchen Wahrheit?

Von unkultur @ 07:52 [ Literatur/Sprache ]
Wie viele der sogenannten Kreativen interessierte ihn das Schöpfertum selbst mehr als sein Gegenstand. Nur dass er am Ende Beifall für letzteren begehrte.
Giuseppe Pontiggia, Zwei Leben, dtv

2007-09-23

Die schöne neue Welt des Web 2.0

Von unkultur @ 09:20 [ The Web ]
Ein Kommentar von unkultur bei facts.ch:

"Ich spiele jetzt mal des Teufels Advokat, und zwar nicht aus Masochismus, sondern aus Überzeugung. Ich bin der Meinung, der Autor hat sehr wohl in einigen Punkten Recht. (Eigentlich wollte ich auch ein paar Punkte gegen ihn aufführen, aber diese Arbeit wurde mir ja abgenommen.)

Ich habe in meinem Blog schon mehr als einmal erwähnt, dass ich die Experten, die Vermittler, vermissen werde. Nicht weil ich blind einer Meinung folgen möchte – ich bin zum Glück imstande, eigenständig und differenziert zu denken – sondern weil es mir passt, dass mir jemand die „Arbeit des Vorfilterns“ abnimmt. Jemand, der sich hauptberuflich damit beschäftigt und somit genügend Zeit hat. Das Prinzip der Arbeitsteilung, eine Errungenschaft der Menschheit, wenn ich mich nicht täusche… Es ist alles eine Zeitfrage: Heute gibt es immer mehr Informationen, immer mehr Möglichkeiten, immer mehr Begeisterndes zu entdecken. Das mag schön und demokratisch und toll sein, aber wer gibt mir die zusätzliche Zeit, um aus allem wirklich das (für mich) Beste rauszusuchen?

„Die Besten setzen sich durch“, sagt Ihr. Ich bezweifle das. Denn wie werden wir in Eurer in leuchtenden Farben gemalten Zukunft überhaupt die Musse haben, herauszufinden, wo sich das Beste versteckt hält? Indem wir auf Tipps von Kollegen bzw. Mit-Usern hören? Ich habe jetzt schon ca. 100mal so viele Online-Kollegen wie vor ein paar Jahren. Die Tipps, die auf mich hereinprasseln, werden tagtäglich mehr. Das ist jetzt etwas dramatisch ausgedrückt. Nein, ich fühle mich nicht überfordert; ich habe bloss die leise Ahnung, dass mir „das Beste“ entgehen könnte und wahrscheinlich auch tut.

Meines Erachtens stimmt es auch, dass wir durch die immer extremere Personalisierung immer weniger von dem lesen bzw. wahrnehmen, was über unsere eigene Gedankenwelt hinausgeht. Wir können uns unsere eigene Welt streamlinen. Ich geniesse das. Gleichzeitig steckt ein Funken Wahrheit in der Befürchtung, dass sich dadurch unser Horizont verengt. Allerdings, und da muss ich Euch Recht geben: Der Horizont war wohl schon vorher eng, denn wir haben schon vorher Dinge ignoriert, die uns nicht interessierten.
(Exkurs: Mein Vermögen, Inhalte schnell zu überfliegen und die richtigen Informationen rauszupicken, das ich vor 10 Jahren besass, werde ich nie mehr erlangen, seit es Google und die Funktion des Suchens auf einer Seite gibt.)

Jetzt noch ein Wort zur Demokratie: Ihr singt das Loblied einer weltumspannenden, vollkommen gleichberechtigten Usergemeinde. Ihr sagt immer wieder: „Jeder“. Wie bitte? Sehr, sehr viele Menschen sind von dieser Gemeinde ausgeschlossen und werden es noch für längere Zeit bleiben, was die Gemeinde bereits mal NICHT als Demokratie qualifiziert, sondern höchstenfalls als Oligarchie. Oder schaut Ihr nur die Online-Welt als Bezugssystem an? Kann man natürlich machen, aber Ihr wärt dann inkonsequent. Denn Ihr bezieht Euch schliesslich auch auf „Experten“ aus der Offline-Welt, auf ein System, das sich in der Offline-Welt gebildet hat und dort vorläufig noch besteht."


P.S. Meine Diskussion spielt sich momentan auf dem "Nebenschauplatz" (aus meiner Sicht ;-) Facts 2.0 ab. Hier mein dazugehöriger Artikel.

2007-09-22

Kunst im öffentlichen Raum (gratis)

Von unkultur @ 12:06 [ Literatur/Sprache ]
Er steht von der Bank auf, streckt sich und sieht zum Himmel hinauf. Es ist noch dunkel. Wie vorhin steht dort die Sichel des drei Tage alten Mondes. Wenn man kurz vor dem Morgengrauen in der der Stadt dort hinaufschaut, erscheint es einem seltsam, dass ein so grosses Objekt völlig kostenlos da am Himmel steht.
Haruki Murakami, Afterdark, btb

Wieder ein Buch von Haruki Murakami, das mich vollständig gefangen genommen hat. Eigentlich bin ich immer noch da drin, auf der anderen Seite der dünnen Wand, in der anderen Realität, in der anders fliessenden Zeit.

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