2007-08-31

Wie schmuggelt man (unabsichtlich)

Von unkultur @ 19:33 [ Kluturbanause ]
einen massiven Hammer, eine kleine Schaufel, eine Harke und eine scharfe Gartenschere durch die Röntgenkontrolle des Institut du Monde Arabe in Paris? – Indem man wartet, bis der eine Wachmann fast einnickt und der andere via Handy mit seiner Schwiegermutter plauscht.

Der permanenten Ausstellung glaubt man anzusehen, dass das Budget etwas mager war. Schade, denn sowohl die Informationstafeln als auch die ausgestellten Objekte sind sehr lesens- bzw. sehenswert. Die Aufmerksamkeit, die uns das Personal beim Eintritt ins Gebäude verweigert hatte, wurde uns übrigens hier umso grosszügiger entgegengebracht: Der Museumswächter zeigte ein starkes Interesse an uns, das allerdings nicht mit unserer Eigenschaft als Museumsbesucher zusammenzuhängen schien.

Der Minzsirup im Dachrestaurant schmeckt köstlich und wird ergänzt durch eine grossartige Aussicht. Vor allem aber hat mich die Architektur des Gebäudes beeindruckt. Die bereits von aussen elegant und filigran wirkende Struktur der Aussenwände entpuppte sich von innen als höchst komplexes Zusammenspiel von kleinen, beweglichen Teilen. Diese bilden die sogenannten "Moucharabiehs" (seltsamerweise auch „Diaphragmen“ genannt), die ihren Ursprung in der islamischen Architektur haben. Entfernt erinnert mich die Ästhetik an die Glaswände im Neubau des Museums Rietberg – wobei natürlich das IMA schon lange vorher da war.
Bild geliehen von der
Website des IMA

2007-08-30

Julio González im Centre Pompidou

Von unkultur @ 19:39 [ Kluturbanause ]
So unübersichtlich wie seine Website präsentiert sich das Centre Pompidou selbst. Bei jedem meiner Besuche in den letzten zehn Jahren war garantiert ein Teil der permanenten Ausstellung geschlossen, manchmal sogar eine der auffällig angekündigten temporären Ausstellungen. Darauf wurde der Besucher aber nicht etwa hingewiesen, bevor er seine 10 Euro entrichtete – im Gegenteil; sowohl Website als auch sämtliche Beschilderungen versicherten mir, die Ausstellung sei offen, und auch die Dame an der Kasse fühlte sich nicht bemüssigt, mich zu informieren.


Die Ausstellung über Julio González’ Schaffen wog das kleine anfängliche Ärgernis auf. Sie führt klar strukturiert durch die verschiedenen Entwicklungs-
phasen von Julio González, der sich mit Picasso und anderen Künstlern seiner Zeit intensiv austauschte. Seine Eisenplastiken nehmen einen zentralen Raum ein – gleichzeitig illustrieren aber ganze Reihen von Skizzen und Zeichnungen eindrücklich, wie er gleichsam darum rang, einen Körper oder ein Objekt in eine stimmige abstrakte Form zu bringen. In seinen späten Skulpturen tendieren die menschlichen Gestalten immer stärker zu tierischen Wesen oder vegetativen Formen.

Julio González, La Cheve-
lure, Bronze, ca. 1934

2007-08-25

Nachtrag zur gestrigen Unkultur-Suche im Kultur-Dschungel

Von unkultur @ 09:49 [ Erdungsgarnitur ]
Im Löwenbräu-Areal hielt ich es nicht sehr lange aus. Da gab es lauter Leute, die darum wetteiferten, von PLAY fotografiert zu werden (und das wird man bekanntlich nur, wenn man nicht darum wetteifert, denn sich allzu offensichtlich anzustrengen schmälert die eigene Attraktivität, diese Regel gilt in allen Lebensbereichen). Plötzlich fühlte ich das dringende Bedürfnis, mit dem Proletariat zu feiern.

Irgendwie landete ich auf der Flucht beim Röntgenplatzfest. Dort war der Rapper Greis in Aktion. Er schreibt sich ja wohl „Subkultur“ auf die Fahne, aber mein Unkultur-Sensor reagierte nicht – nein, das war definitiv keine Unkultur. Erschöpft von der langen Suche liess ich mich trotzdem am Röntgenplatz nieder. Nachdem Greis fertig war, wurde es richtig gemütlich; man musste sich nicht mehr anschreien.

2007-08-24

Heute Abend wimmelt es wieder mal von Kultur

Von unkultur @ 20:16 [ Erdungsgarnitur ]
An allen Ecken und Enden: Kultur. Im GZ Wollishofen, in der station21, im Löwenbräu-Areal, in diversen Galerien, und und und. Ich werde wie gewohnt durch den kulturellen Dschungel tigern und nach Unkultur Ausschau halten…

2007-08-23

Liebt Zürich mich auch?

Von unkultur @ 18:49 [ Standortvorteil ]
Nachdem wir alle dazu verdonnert wurden, „Zürich zu leben“, attestiert uns nun eine Umfrage, dass wir Zürich lieben. Während ich mich weigere, mich mit dem dümmlichen Slogan zu identifizieren, unterschreibe ich ohne zu zögern, dass ich Zürich liebe. Natürlich gibt es mir hin und wieder Anlass zum Nörgeln oder zur Unzufriedenheit, aber was sich liebt, das neckt sich bekanntlich.

Aber ob Zürich meine Liebe erwidert? Oder ist dies eine einseitige Beziehung? – Es gibt diese Momente – und nein, es sind nicht die idyllischen Situationen wie das Schwimmen im See mit Blick auf die verschneiten Alpen – diese überraschenden Momente, wenn beispielsweise die S-Bahn unter lautem Kreischen in den Bahnhof Hardbrücke einfährt und die typische Silhouette aus modrigen West-Hochhäusern in mein Blickfeld rückt, in denen mir Zürich für einen Sekundenbruchteil seine Liebe offenbart. In diesem Moment denke ich euphorisch „Ah, Zürich liebt mich“, um mich einen Augenblick später verschämt umzuschauen, als hätte ich laut gedacht.

2007-08-22

Auftakt der Musikfestwochen: Seichtes und Mutiges

Von unkultur @ 23:46 [ Musik ]
Die ersten beiden Auftritte an den Winterthurer Musikfestwochen (NØRN und
Les Papillons) hörte ich leider nur aus der Ferne, da ich mich ums Soziale und Kulinarische kümmern musste. Aber beim Auftritt der Winterthurer Symphoniker war ich voll da.

Die Symphoniker spielten zuerst einige Stücke aus dem Repertoire, die ihnen sichtlich Spass machten. Spätestens beim „Medley aus James Bond Liedern“ wurde es allerdings ziemlich seicht. Dann wagten sie sich an die Uraufführung eines Werks des japanischen Komponisten Yoshihiro Hanno.

Yoshihiro Hanno, der für sechs Monate seinen Wohnort Paris mit dem Künstlerhaus Villa Sträuli in Winterthur ausgetauscht hat, beschäftigt sich mit so unterschied-lichen Musikrichtungen wie Rap, Jazz, Elektro und eben Musik für klassische Orchester. Das Werk in drei Sätzen, das er für die Winterthurer Musikfestwochen schrieb, trägt die meisten Charakterzüge der klassischen Musik, auch wenn es zeitgenössische Elemente enthält. Zu der Komposition inspirieren liess sich Hanno von der Geschichte und dem Geist des 20. Jahrhunderts.

Ich wage zu behaupten, dass sich die Symphoniker mit der Musik etwas schwer taten. Die Komposition wäre wohl in einem stillen Konzertsaal auch besser zur Geltung gekommen. Das Publikum liess sich auf das Experiment ein und liess sich von den monotonen Anfangstakten nicht abschrecken; später rückten wuchtigere Klänge in den Vordergrund. Die Aufführung wurde mit einem kräftigen Applaus belohnt.

Yoshihiro Hanno wird an der morgigen Electronic Night gleich nochmals auftreten – unter seinem Künstlernamen RADIQ mit Minimal Techno.

2007-08-21

Websites von Künstlern – Miranda July

Von unkultur @ 00:02 [ Künstler-Websites ]
Der Einstieg zu Miranda Julys Website scheint auf den ersten Blick sehr zurückhaltend, ja restriktiv; auf den zweiten Blick aber offenbart sich eine an dieser Stelle ungewohnte Interaktivität: Der Gast darf durch ein fingiertes Login die Künstlerin gleich selbst definieren. Sie attestiert ihm daraufhin, dass er sie durchschaut.

Ich habe mich mit dem Werk von Miranda July nicht intensiv auseinandergesetzt. Aber ihr Film „Me and You and Everyone We Know“ – ohne Übertreibung einer der stärksten Filme, die ich jemals gesehen habe – offenbart durch seine autobiographisch geprägte Protagonistin Einiges über die Performerin, Filmemacherin und Autorin Miranda July. So wie ich mir ihren Charakter vorstelle, so kommt ihre Website daher: Konsequent inkonsequent; wie ihr Lächeln gleichzeitig kühl und liebenswürdig irritierend.

Nein, eine übersichtliche Website ist es nicht. Aber eine Oase fürs Auge und spannend zu entdecken allemal. Beispielsweise die Werbung für ihr Buch, ein absolutes Must-Read.

“No One Belongs Here More Than You” (Buchwerbung mittels Kühlschrank und Gasherd)

Von unkultur @ 00:00 [ Literatur/Sprache ]

Screenshot von Miranda Julys Website zum Buch

Noch nie ist mir eine so originelle Buchwerbung begegnet. Lest die 31 Seiten, Ihr werdet Euch garantiert nicht langweilen:

http://noonebelongsheremorethanyou.com

Manchmal schaue ich mich und meine Mitmenschen kopfschüttelnd an und denke mir: Bei uns allen würde eine Prise Miranda July Wunder wirken!


P.S. Und trotzdem, um ehrlich zu sein: Der Reflex, das Buch zu kaufen, hat sich nicht beim Betrachten der originellen Nachrichten der Autorin eingestellt, sondern ganz traditionell beim Lesen des Umschlagtextes am Schluss der Präsentation.

2007-08-20

Marrugeku: Nicht bloss Multikulti-Klischees

Von unkultur @ 12:10 [ Kluturbanause ]
Das Tanztheater Marrugeku wurde im Tagi als oberflächliche, Multikulti-Klischees bedienende Produktion abgetan. Vermutlich war der Journalist etwas geistes-
abwesend, als er sich die Aufführung von Marrugeku anschaute. Bis zum Schluss sorgen die Karaoke-Videos, welche ihre eigenen zuckersüssen Melodien mit zynischen Bildern zum Thema Rassismus untergraben, für ein ungutes Gefühl. Bildgewaltige Szenen und mitreissende Tanzeinlagen sorgten gestern Abend trotz Regenguss für einen bleibenden ersten Eindruck des diesjährigen Theater Spektakels.


> Der Kulturblog berichtet regelmässig übers Theater Spektakel

2007-08-18

Eine derart Wodka-getränkte Stimme…

Von unkultur @ 16:48 [ Musik ]
… habe ich schon selten gehört.
Gestern Abend am Hallwylplatzfest. Die tschechische Band
hiess Rudovous und war auf eine brachiale Art ziemlich beeindruckend.

Mal schauen, ob der Sound am heutigen Idaplatzfest mithalten kann. Adrian Weyermann ist angesagt.
(Dessen Website ist übrigens vom Design her recht ansprechend. Die Benutzerführung ist ok, abgesehen von der etwas kapriziösen Navigation.)

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