Auf Betas Anregung hin habe ich heute anlässlich des
UNESCO-Welttags des Buches ausprobiert, wie es sich
im Innern eines Bücherwurms anfühlt. Eindeutig bücherwurmig halt… Ein bisschen revolutionär fast (hatte ja etwas von einer Demo), sicher auffällig – ich mag es gar nicht, ständig gefilmt und fotografiert zu werden –, exzentrisch. Es erforderte hohe Konzentration, laut zu lesen und gleichzeitig die strategisch ungeschickt platzierten Pfosten und Stangen, die plötzlich überall standen, zu vermeiden.
Interessant war es, zu beobachten, wie am Anfang fast niemand wagte, laut zu lesen – aber in Kürze waren alle im Sog und wollten nicht mehr aufhören.
Simon Chen, in passender bücherwurmig-cooler Kluft, meisterte seine Unterhaltungsaufgabe wie immer mit Bravour und hatte einen witzigen Text extra für uns Bücherwürmer (oder für die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit?) verfasst. Weiter ging’s zum Theater Neumarkt, wo ich mich dann entschied, den Rest der Veranstaltung (Lesungen) zu verpassen und mir stattdessen eine Stärkung im Niederdorf zu genehmigen.
Ob wir wohl durch diese Aktion tatsächlich die Bevölkerung zum Lesen anregten? Ich sehe da beim besten Willen keine direkte Wirkung. Aber mit der grossen Medienpräsenz könnte es ein erster Schritt dazu sein, dass Lesen „trendiger“ wird (ich sehe meinen lieben Kollegen, den
Dissidenten/
Verwerter, bei diesen Worten zusammenzucken/aufschreien).
Ein heikles Thema, die Buchpreisbindung, wurde kurz angetönt. Wobei das natürlich nicht reicht; das Thema sollte nicht nur in einem lustigen Text erwähnt, sondern breiter diskutiert werden. Eigtl. hätte ich etwas politischer sein und zugunsten der
Bibliodiversität ein "In Memoriam"-Schild für die von den Bücher-Grossverteilern verdrängten Buchhandlungen wie z.B. "Dr. Oprecht" mittragen wollen, aber leider fiel mir das erst zu spät ein [Dieser Satz klingt irgendwie ironisch, ist aber ausnahmsweise NICHT ironisch gemeint. Und da mir offenbar die stilistischen Mittel fehlen, dies zum Ausdruck zu bringen, muss ich es hier deklarieren.]*. Aber nächstes Jahr gibt's bestimmt wieder eine Book Parade.
*Ergänzung nach einer empörten Reaktion
> Beim Blog Alpha gibt's das hocherotische Videoclip mit Simon Chen zu sehen