2007-04-30

Sprachmischerei

Von unkultur @ 23:55 [ Literatur/Sprache ]
Mein Wort des Tages: Sprachmischerei.

Einige von uns tun es absichtlich, weil sie denken, es würde sie weltläufiger wirken lassen (meist ist das Gegenteil der Fall). Einig von uns verteufeln es und tun es trotzdem - unabsichtlich - jeden Tag. Hunderte von Generationen vor uns haben es getan, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden. Und die Sprache selbst belächelt die Mühen, die wir auf uns nehmen, um sie als vermeintlich schwaches Wesen zu beschützen.

2007-04-26

unkultur rupft ein Hühnchen

Von unkultur @ 21:34 [ Poetry Slam/Spoken Word ]
Ich muss wieder mal ein Hühnchen rupfen mit den Leuten von rubikon.ch – das wird langsam zur Gewohnheit. Jetzt warten sie absichtlich, bis ich mir zum ersten Mal seit 15 Jahren ein verlängertes Wochenende gönne, und dann lassen sie klammheimlich Ato Meiler in den Schiffbau kommen. Korrigiere mich: Wenn sie es wenigstens klammheimlich tun würden – aber im Gegenteil, sie reiben’s mir noch am Vorabend unter die Nase, wenn ich das Hotelzimmer bereits gebucht habe! Und verkünden zum Schluss süffisant, es gäbe jetzt eine längere Sommerpause.



Zornesgrollend reist unkultur in die Ferien (auf zumindest einen VIP-Eintritt für den nächsten Poetry Slam in der Badi Enge hoffend, zur Entschädigung).

2007-04-25

Kulturministerin werden leicht gemacht

Von unkultur @ 23:47 [ Kulturpolitik ]
Es steht jetzt nicht nur jedem frei, den neuen Schweizer Kulturminister zu wählen – nein, man kann gleich selbst kandidieren! Einfach
1) hier klicken,
2) einen Kontrollblick aufs Anforderungsprofil werfen
3) und sich dann als Kandidat eintragen.



> März 07: Berichterstattung von unkultur über unseren Kulturminister

2007-04-24

Frontalangriff auf unkultur

Von unkultur @ 09:06 [ In eigener Sache ]
Unglaublich, Wisi @ Ron Orp hat in seiner Kolumne unkultur angegriffen! unkultur nimmt dies selbstverständlich persönlich. Hier die (vorläufige) Replik:

Verehrter Wisi,
Meinetwegen kannst Du das Wörtchen "Grott" gerne in die deutsche Sprache aufnehmen. Aber gegen den Missbrauch des Wortes "Unkultur" muss ich protestieren. "Unkultur" ist das, was an den Rändern der Kultur wuchert, unkontrollierbar und lustvoll. Unkultur nutzt die Strukturen der Kultur und der Kulturindustrie, um aus ihnen Unerhörtes zu schaffen. Unkultur ist die Schnittstelle zwischen der Kultur und den Bereichen, die echte Erneuerungsimpulse für die Kultur bringen können. Unkultur entsteht in der Nische und bei sperrigen Querdenkern. Unkultur kann durchaus eine glatte Oberfläche haben, wenn dies ihrer Aussage dient, aber es steckt immer mehr dahinter. Das Massentaugliche wie Baschi & Co. gehört da offensichtlich nicht dazu.
Hochachtungsvoll, unkultur

2007-04-23

Eindeutig bücherwurmig

Von unkultur @ 23:11 [ Literatur/Sprache ]


Auf Betas Anregung hin habe ich heute anlässlich des UNESCO-Welttags des Buches ausprobiert, wie es sich im Innern eines Bücherwurms anfühlt. Eindeutig bücherwurmig halt… Ein bisschen revolutionär fast (hatte ja etwas von einer Demo), sicher auffällig – ich mag es gar nicht, ständig gefilmt und fotografiert zu werden –, exzentrisch. Es erforderte hohe Konzentration, laut zu lesen und gleichzeitig die strategisch ungeschickt platzierten Pfosten und Stangen, die plötzlich überall standen, zu vermeiden.

Interessant war es, zu beobachten, wie am Anfang fast niemand wagte, laut zu lesen – aber in Kürze waren alle im Sog und wollten nicht mehr aufhören. Simon Chen, in passender bücherwurmig-cooler Kluft, meisterte seine Unterhaltungsaufgabe wie immer mit Bravour und hatte einen witzigen Text extra für uns Bücherwürmer (oder für die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit?) verfasst. Weiter ging’s zum Theater Neumarkt, wo ich mich dann entschied, den Rest der Veranstaltung (Lesungen) zu verpassen und mir stattdessen eine Stärkung im Niederdorf zu genehmigen.

Ob wir wohl durch diese Aktion tatsächlich die Bevölkerung zum Lesen anregten? Ich sehe da beim besten Willen keine direkte Wirkung. Aber mit der grossen Medienpräsenz könnte es ein erster Schritt dazu sein, dass Lesen „trendiger“ wird (ich sehe meinen lieben Kollegen, den Dissidenten/Verwerter, bei diesen Worten zusammenzucken/aufschreien).

Ein heikles Thema, die Buchpreisbindung, wurde kurz angetönt. Wobei das natürlich nicht reicht; das Thema sollte nicht nur in einem lustigen Text erwähnt, sondern breiter diskutiert werden. Eigtl. hätte ich etwas politischer sein und zugunsten der Bibliodiversität ein "In Memoriam"-Schild für die von den Bücher-Grossverteilern verdrängten Buchhandlungen wie z.B. "Dr. Oprecht" mittragen wollen, aber leider fiel mir das erst zu spät ein [Dieser Satz klingt irgendwie ironisch, ist aber ausnahmsweise NICHT ironisch gemeint. Und da mir offenbar die stilistischen Mittel fehlen, dies zum Ausdruck zu bringen, muss ich es hier deklarieren.]*. Aber nächstes Jahr gibt's bestimmt wieder eine Book Parade.


*Ergänzung nach einer empörten Reaktion


> Beim Blog Alpha gibt's das hocherotische Videoclip mit Simon Chen zu sehen

2007-04-22

Kultur in Stans: Bodenständiges und Weltläufiges

Von unkultur @ 17:40 [ Musik ]
Dem subsidiären Modell der Kulturförderung sei Dank, gibt es in der Schweiz auch in der Provinz bemerkenswerte Kulturereignisse. Höchste Zeit, dass sich unkultur zum ersten Mal nach einer längeren Überseereise im vergangenen Winter wieder mal aus dem Zürcher Dunstkreis hinausbewegte Stanser Luft schnupperte.

Die Stanser Musiktage finden unter anderem in der Mehrzweckhalle eines Schulhauses – mit Blick auf ein schneebedecktes Alpenpanorama –, in einer Kirche und in diversen Festzelten in den von charmanten alten Häusern gesäumten Gassen statt. Aber Achtung: Jedes Jahr gibt es ein paar beachtliche Acts zu hören. Und Juan Carlos Cáceres entpuppte sich nicht als müder oder nur noch routinierter 70-jähriger, sondern erzählte mit ansteckender Freude, kraftvollem Pianospiel und ebensolcher Stimme die Geschichte des Tango – von dessen afrikanischen Wurzeln an. Sämtliche Stücke waren so arrangiert, dass sie von ihm und seinen Mitmusikern – Cello, Bandoneon und zwei Schlagzeuger – dargeboten werden konnten wie eine meisterhaft gekochte Speise: Sämtliche Zutaten lassen sich herausschmecken, bewahren ihre Eigenheiten und verbinden sich trotzdem zu etwas raffiniert Harmonischem.

Nach dem Konzert ging’s weiter zu den Festzelten. Die schön gedeckten Tische und einladenden Düfte hielten leider ihr Versprechen nicht: Das indische Poulet-Curry erwies sich als ausgesprochen fad; das Poulet war zäh (nicht zu vergleichen mit dem legendären asiatischen Essensstand am Theater Spektakel). Im Jazz-Zelt war gerade Pause angesagt, als wir uns dort ein Ohr voll gönnen wollten, und im Weltmusik-Zelt bekamen wir die letzten Takte von einer Band mit, bevor auf Oldies aus dem Lautsprecher umgeschaltet wurde. Blieb nur noch das Salsa-Zelt: Nachdem wir uns ins Innerste vorgekämpft hatten, beobachteten wir die vier oder fünf Tanzpärchen, die sich zu der mit viel Merengue und Bachata gespickten Musik auf die Tanzfläche wagten. Man war vom lokalen Salsakurs; man kannte sich. Um 1 Uhr entschieden wir uns dann für den Nachbus nach Luzern.

Trotz einiger Flops blieb die Stimmung gut und Bilanz positiv. (Seltsam: In Zürich wäre ich viel strenger gewesen; hätte die negativen Punkte nicht durchgehen lassen.)

2007-04-21

Augenzwinkernde Virtuosität

Von unkultur @ 16:00 [ Musik ]
Ich weiss, das Wort „virtuos“ ist nicht sonderlich originell, um eine musikalische Darbietung zu beschreiben. Trotzdem war das, was Daniel Schnyder, Komponist und Saxophonist, und Eugenija Kupryte, Pianistin, heute an der Samstagsmatinée der Villa Sträuli zum Besten gaben, schlichtweg virtuos. Und obendrein erfrischend, selbstironisch, dramatisch, mit höchstem Einsatz und Begeisterung gespielt. Daniel Schnyders Musik entzieht sich der Zuordnung zu Kategorien (Jazz oder Klassik) und ist daher im schönsten Sinn unkultur-würdig. Nach dem kurzen Konzert mischten sich die beiden Musiker zu einem Kaffee im frühsommerlichen Garten unter die Leute. (Geschrieben auf dem Sprung – bin bereits unterwegs zum nächsten musikalischen Abenteuer, heute Abend in Stans.)

2007-04-20

Das Lächeln des Graffitikünstlers, oder: „Jeder ist ein Künstler“

Von unkultur @ 00:13 [ Kluturbanause ]
Wie ich schon ahnte, ist mir Kollege kulturblog zuvorgekommen – deshalb hier nur kurz mein Senf zur Aktion des Cabaret Voltaire und c6.org:

Frei nach Beuys – „Jeder ist ein Künstler“ – kann jetzt jeder ein Graffitikünstler sein. Er braucht bloss die Vorlage von c6.org zur Hand zu nehmen. Oder sind die Ausführenden, statt Schöpfende zu sein, unbewusst die Instrumente von c6.org; sind die ahnungslosen Sprayer sogar ein Teil des entstehenden Gesamtkunstwerks?

Das Cabaret Voltaire darf wieder mal geistreich-subversiv und Anti-Etablissement und schockierend sein (das tut es ja am liebsten, und die Behörden beglücken es erneut mit der wunschgemäss empörten Reaktion) – gleichzeitig zeigt diese Aktion aber auch auf, wie sogar etwas durch und durch Subkulturelles im Handumdrehen zur Massenkultur gemacht werden kann. Plötzlich wird Graffiti-Sprayen chic; wie lange wird es dauern, bis es von der Szene entdeckt wird? Wollen wir uns heute Abend auf einen Drink treffen, oder gehen wir lieber ein paar Graffiti produzieren?

2007-04-18

Vermisst: soDa

Von unkultur @ 18:12 [ Literatur/Sprache ]


Als Eklektikerin hat sich unkultur dazu bekannt, die Weltwoche jeden Donnerstag zu lesen (wenn auch die immer undifferenziertere Hetze gegen alles Nicht-Rechte sie langsam aber sicher wegekelt). unkultur liest auch soDa – magazin für visuelle kultur. soDa platziert sich in einer ganz anderen politischen Ecke als die Weltwoche, und doch haben die beiden Einiges gemeinsam: Sie sind auf ihre Weise subversiv und kultivieren die stilvolle (wenn auch nicht immer gehobene) Provokation. Was das Design anbelangt, ist soDa als Zeitschrift für Kultur und Design der WW erwartungsgemäss einige Kilometer voraus.

soDa ist auf eine erfrischende und ernsthaft-verspielte Weise naiv und zugleich radikal – wie wir es waren, als wir damals unsere erste Studentenzeitschrift gründeten. Es beleuchtet jedes gewählte Thema aus überraschenden Perspektiven mittels des geistreichen geschriebenen Wortes und durchdachter grafischer Elemente. Ich schätze seine kulturpolitischen Denkanstösse und seinen Mut zur exklusiven Nische.

Allerdings musste ich soDa bereits vor einigen Monaten für vermisst erklären. Glücklicherweise habe ich es nicht abonniert: Die Abonnenten bezahlen stolze 90 Franken für vier jährliche Ausgaben; die letzte Ausgabe ist allerdings im August 2006 erschienen. Man rechne... Die nächste Ausgabe namens „Wishlist“ wird auf den Mai angekündigt. Mein Wunsch für die Liste: Mehr soDa!

2007-04-17

Ist unkultur begriffsstutzig? (Zum Thema: Der massenkulturelle Krieg)

Von unkultur @ 17:29 [ Kulturpolitik ]
unkultur an Verwerter:

Weil sich auf die Artikel des „Verwerters“ nicht antworten lässt – absichtlich auf eingleisige Kommunikation angelegt? – hier meine Frage, in der Hoffnung, dass, wo eine Frage ist, auch eine Antwort gegeben wird.

Es geht um Deinen Beitrag „Der massenkulturelle Krieg“. Ich bin vermutlich ein besonders begriffsstutziger Mensch, aber erstens mal begreife ich nicht ganz, weshalb Du „Massenkultur“ und „Kulturindustrie“* als austauschbare Begriffe verwendest, und zweitens: Könntest Du mir bitte ein paar konkrete Beispiele nennen, wie die Kulturindustrie Gewalt verherrlicht? (Kriegsfilme und Gewalt verherrlichende Computerspiele finde ich auch schlimm; allerdings gehören die nicht unter den Begriff „Kulturindustrie“). Ich habe beim Lesen Deines Artikels den Eindruck bekommen, dass Du nicht sehr differenziert argumentierst, sondern etwas gar viel über einen Kamm scherst bzw. auf die von Dir erwähnten Verschwörungstheorien mit Deinen eigenen Verschwörungstheorien reagierst (die „Kulturindustrie“ zieht mit der Kriegsindustrie an einem Strick, um die Welt zu zerstören etc.). Soviel zur „vielfältigen Weltbetrachtung“, die Du Dir auf die Flagge schreibst….


*Ja, gemäss Adorno ist es vielleicht so, aber ist Adorno das Mass aller Dinge?

P.S. Ich weiss auch, dass Deine Meinung momentan sehr beliebt ist. Nun denn, wenn man sich gerne als unmündiger, beliebig manipulierbarer Bürger sieht...

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