Das Mysterium der klassischen Musik
| Von unkultur @ 23:53 | [ Musik ] |
Gestern haben mich die Sinfónica de la Juventud Venezolana Simón Bolívar unter dem Dirigenten Gustavo Dudamel mit Rachmaninov und Tschaikowsky in einen ekstatischen Zustand versetzt. Wenn ich daraus kurz einmal auftauchte, stellte ich mir Fragen wie:
Wie kommt es, dass wir nach einem oder mehreren Jahrhunderten immer noch dieselben Werke – mehr oder weniger modern interpretiert, aber doch Note für Note – spielen und hören und einfach nicht genug davon kriegen können? (Und dass sich die Kleidung der Musiker nur unwesentlich verändert hat?)
Ich kenne mich zuwenig aus in der Geschichte – aber gab es zuvor Epochen, in denen sich einige Aspekte der menschlichen Gesellschaft/Kultur so radikal und schnell modernisierten, während andere Elemente jahrhundertlang zurückblickten und überzeugt waren, dass die erhabensten Perlen in der fernen Vergangenheit geschaffen wurden? (Und oft lassen sich diese beiden Extreme ja in einem einzigen Menschen beobachten.)
Wodurch entsteht dieses Gefühl der Erhabenheit?
Was ist das für eine universale Sprache (nun ja, immerhin in unserer westlichen Welt) der klassischen Musik, die wir so verinnerlicht haben, dass dieselben Passagen bei uns allen dieselben Gefühle hervorrufen?
Steckt da das kulturelle Gedächtnis dahinter, und wie stark ist dieses? Begeistern sich doch auch Menschen, die durch ihr soziales Umfeld und Elternhaus nicht mit klassischer Musik in Berührung kamen, später für diese.
Weshalb schafft es keine andere Musikrichtung, meinen ganzen Körper mit Gänsehaut zu überziehen?
Weshalb sehe ich immer Landschaften, wenn ich Rachmaninov und Tschaikowsky höre?
Bestimmt existieren auf all diese Fragen bereits Antworten in den vielen Büchern, die zu lesen ich nie die Zeit finde. Macht nichts – ich kann mit dem Unerklärlichen gut leben.






