Heute mach’ ich alles verkehrt, was eine Bloggerin verkehrt machen kann: Eigtl. sollte man ja Vernissagen und Finissagen ankündigen,
bevor sie stattfinden, damit vielleicht noch ein paar Leute kommen (was dem Cabaret Voltaire gestern nicht geschadet hätte); wenn man aber im Rückblick darüber schreibt, sollte man wenigstens dort gewesen sein (und ich befinde mich eindeutig
nicht an der Vernissage im Museum Bellerive, die in diesem Moment stattfindet. Ich muss hierzu vielleicht erklären, dass 80% meiner Motivation, an Vernissagen zu gehen, darin besteht, mich an den dortigen alkoholischen Getränken zu laben; und wenn ich schon vorher Kopfschmerzen habe, was heute der Fall ist, macht das keinen Sinn. Denkt bloss nicht, dass ich eine
Kluturbanause bin – aber ich schau’ mir die Exponate lieber zu einem Zeitpunkt an, zu dem sich nicht 999 aufgetakelte, beschwipste Vernissage-Gäste davor tummeln.).
Also. Weshalb schreibe ich denn über die Finissage von gestern bzw. über die Vernissage von heute Abend? – Weil ich mir vorgenommen habe, eine Kategorie „
Dada“ einzuführen, und dies ist nun der feierliche erste Eintrag in dieser Kategorie. In meinem Büchergestell steht Einiges zu dem Thema, denn im Gegensatz zum Phänomen „Slam Poetry“ – das ich übrigens für eine mind. ebenso bahnbrechende Bewegung halte, liegen doch seine Wurzeln z.T. in Impulsen, die aus Dada hervorgegangen sind – ist Dada alt genug, dass man ihn in Bücher verpacken kann.
Aber zurück zum eigentlichen Thema: Die Führung anlässlich der gestrigen Finissage der Ausstellung
«Dada East? The Romanians of Cabaret Voltaire» war sehr interessant. Die Ausstellung dreht sich vor allem um die rumänischen Mitbegründer des Dada, Tristan Tzara und Marcel Janco. Sie tut dies mit Hilfe einer gut durchdachten, wenn auch vielleicht etwas aufdringlichen Licht- und Soundkulisse. Zu schade, dass der Direktor nicht da war; denn es ging sehr viel um Kommunismus, und er hätte da gut reingepasst… Zu sehen ist die Ausstellung jetzt noch in Sibiu, der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt, später auch in Prag und weiteren Städten – für den Fall, dass jemand in nächster Zeit wieder einen Vorwand für eine Städtereise braucht.
Nach der Führung gab’s noch zwei sehens- und hörenswerte Präsentationen, eine davon vom rumänischen Künstlerpaar
Mona Vatamanu und Florin Tudor, die sich unter anderem mit der gesellschaftlichen Bedeutung von Bauten in Bukarest befassen. Die beiden leben und arbeiten zurzeit in der
Villa Sträuli, Kultursalon und Artists-in-Residence, in Winterthur, wo sie im Juni eines ihrer neuen Werke vorstellen werden.
Nun zur Vernissage: Heute wird im
Museum Bellerive die Ausstellung zu Sophie Taeuber-Arp eröffnet. Diese Allrounder-Künstlerin war und ist sehr bedeutend für die Entwicklung der (Schweizer) Kunst – ebenso bedeutend wie Meret Oppenheim, die ich sehr bewundere – und natürlich eine der Ur-Dadaisten. Ich bin also wieder beim Thema
Dada; seht Ihr, ich habe den Faden nicht verloren. Und ganz zum Schluss die guten Neuigkeiten: Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Mai geöffnet.
So, als Nächstes werde ich wieder an Vernissagen in kleinen, alternativen Galerien gehen; die sind zwar etwas knauseriger mit dem Alkohohl, aber dafür weniger anstrengend und liegen direkt vor meiner Haustür. Da soll es z.B. diese „
Nachtigall“ an der Bäckerstrasse geben, die in Kürze ihre Eröffnungsparty feiert. In diesem Sinne: Gute Nacht.
P.S. Ich finde es erstaunlich, dass ich zu einem Eintrag mit dem Wort „erotisch“ im Titel null Reaktionen, zu einem Eintrag mit „fleissig“ im Titel jedoch mindestens 7 erhalten habe (wobei zugegebenermassen die Hälfte der 7 von mir selbst stammt). Sagt das etwas über die Schweizer (Blogger-)Mentalität aus? Oder liegt es schlicht und einfach an der Faszination von Leiterplattentransformatoren?